Die Wahrheit über Kim Novak von Håkan Nesser, 2010, btbDie Wahrheit über Kim Novak.
Roman von Håkan Nesser (2010, btb - Übertragung Christel Hildebrandt).
Besprechung von Peter Pisa im Kurier, Wien, 1.1.2011:

Wie ein Krimistar Sympathien verspielt
Håkan Nesser oder: Es war einmal ein sehr guter schwedischer Krimischriftsteller...

Es war einmal ein sehr guter schwedischer Krimischriftsteller, dessen Roman "Kim Novak badete nie im See Genezareth" (1998) in seiner Heimat zur begehrten Schullektüre wurde.
Der spielt im heißen Sommer 1962, und das Leben eines unter schwierigen Familienverhältnissen Heranwachsenden wird mit fünf Wörtern beschrieben:
Krebs, Treblinka, Liebe, Bumsen, Tod.

Es wird pubertiert, gewachsen, und nebenbei wird einer der Jungen - ein unglaublich fieser Handballstar - mit dem Vorschlaghammer ermordet.

Vom wem? Von seiner schönen Verlobten (wegen ihrer Ähnlichkeit mit der US-Schauspielerin "Kim Novak" genannt)? Vom Nebenbuhler? Vier kommen infrage. Håkan Nesser hat es nicht verraten. Gewiss sekkieren ihn seit damals seine Fans, obwohl der Mord das Unwichtigste in diesem schönen Buch war.

Dünnes Bändchen

Zehn Jahre danach jedoch verkündet der mittlerweile berühmte Schwede "Die Wahrheit über Kim Novak" (übersetzt von Christel Hildebrandt, btb): Die Tat sei auf einer wahren Geschichte aufgebaut. Um die Beteiligten zu schützen, habe er sich Zeit lassen müssen ...
Das 75 Seiten dünne Bändchen kostet immerhin 9,30 Euro, und es zahlt sich nur deshalb aus, es zu kaufen, damit man sieht, wie sich Nesser in der Kunst des literarischen Verarschens versucht.

Nichts verrät dieser Kerl. Er verwirrt bloß zusätzlich mit einander widersprechenden Zeugenaussagen und treibt es sogar so weit, dass er thematisiert, ob nicht vielleicht er selbst der Mörder ist. Seinen nächsten Krimi kann sich der 60-Jährige ... jawohl.

KURIER-Wertung: * von *****

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