Die Verschwörung der Wörter von Alfred Kolleritsch, 20001, Residenz-VerlagDie Verschwörung der Wörter.
70 Gedichte von Alfred Kolleritsch (2001, Residenz).
Besprechung von Marion Löhndorf in Neue Zürcher Zeitung vom 27.10.2001:

Die Flüchtigkeit der Liebe
Zwei Gedichtbände von Alfred Kolleritsch

Alfred Kolleritsch findet sichtbare Äquivalente für unsichtbare Seelenregungen meist vor der eigenen Türschwelle, im Garten und manchmal, seltener, auch im Wald. Die Schauplätze seiner Gedichtbände «Die Summe der Tage» und «Die Verschwörung der Wörter» liegen weit weg von Städten, Lärm und zeitgenössischem Leben; es sind kleine, private Welten, still und fast menschenleer. Sonnenblumen, Gewürze, Unkraut, Mücken und Vögel kommen darin vor, weniger als Gegenstände eines Pastoralidylls denn als Indikatoren des Rückzugsortes eines Zivilisations- und Weltverdrossenen: So wenigstens scheint es. Seinen Garten beackert der Grazer Schriftsteller vor allem im Band «Die Summe der Tage». Aber auch in «Die Verschwörung der Wörter», einer Gedichtsammlung, die von der Sprache selbst handelt, finden sich Bilder aus der domestizierten Natur. Der Garten des Dichters kann ein Paradiesgarten sein, so hingebungsvoll wird seine Schönheit beschrieben, aber auch ein Jardin secret, dessen verschwiegene Wege schwierig und wenig idyllisch sind.
Kolleritsch schreibt - meistens - von der Liebe: der vergangenen, fernen oder unmöglichen, der nicht perfekten, trostlos gescheiterten und manchmal - selten - auch von der glücklichen. Fast immer ist die Liebe weit entrückt, manchmal gerade noch greif- und erinnerbar. Der Nachhall des Gewesenen wird nostalgisch beschworen oder gefeiert. Das Verblassen der Erinnerung verzeichnet Kolleritsch besonders aufmerksam: Es kann Schrecken, aber auch Zuversicht verbreiten. Mitunter wird die Vergangenheit schon im Künftigen beschworen, in den Zeilen «Tage stehen bevor, / dass es die alten Tage sind, / erübrigt den Hinweis» oder in einem Titel wie «Zukunft des Abschieds». Auch viele in die Zukunft gerichtete Gefühle finden hier ihren Ausdruck, Ängste, Erwartungen, Hoffnung, Vorfreude....Fortsetzung

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