Die unsichtbaren Stimmen von Carolina De Robertis, 2009, KrügerDie unsichtbaren Stimmen.
Roman von Carolina De Robertis (2009, Krüger Verlag - Übertragung
Adelheid Zöfel und Cornelia Holfelder-von der Tann).
Besprechung von Maren Schürmann in der WAZ, vom 25.7.2009:

Treffen wir uns auf einen Mate
Drei Frauen aus Uruguay: ihr Leben, ihre Geschichte und die ihres so selten beschriebenen Landes.

Was für die Deutschen der Kaffee ist, ist für die Uruguayer der Mate. Zu jeder Gelegenheit lassen sie sich das Getränk schmecken. Zwischen den Tassen, Pardon, Kalebassen erzählt Carolina De Robertis in ihrem Romandebüt „Die unsichtbaren Stimmen” das Leben von drei Frauen aus Uruguay: Mutter, Tochter, Enkelin.

Hübsch hintereinander beschreibt sie, wie sie zu den Frauen werden, die sie nicht sein wollten. Und wie sie es trotzdem schaffen, ihr Glück zu finden.

Vorbilder zu den Personen sind die Vorfahren der Autorin. Mit Pajarita beginnt die erste Geschichte. Das Mädchen vom Lande sieht ihre Chance in dem italienischen Zauberer Ignazio, der sie nach Montevideo mitnimmt. Doch dann muss sie sich und die Kinder monatelang alleine durchbringen – mit Kräutern, die sie im Laden des Metzgers verkauft. Auch ihre Tochter Eva hat kein leichtes Leben, denn bereits als Kind muss sie arbeiten, um die Familie zu ernähren. Später gründet sie ihre eigene, als sie längst ihre Berufung zur Dichterin gefunden hat: „Die Gedichte schlichen sich auf ihren Kellnerinnenblock, auf die Haut ihres Arms und auf Papierschnipsel, die sie später in ihren Socken wiederfand.” Dann bringt Eva eine Tochter zur Welt: Salomé. Die letzte Geschichte beginnt.

Als Kleinkind allein in der Wildnis

Die Wege der Frauen sind verschlungen, nichts lässt die Autorin aus. Die eine Frau erlebt Vergewaltigung und eine Beziehung zu einer Frau, die mal ein Mann war. Die andere wird Rebellin, gebärt im Gefängnis ein Kind. Doch am schrägsten ist der Anfang: Da überlebt das Kleinkind allein in der Wildnis und fällt quasi vom Baum. Pajarita heißt das Mädchen. Kleiner Vogel.

De Robertis übertreibt es. Doch dann auch wieder nicht stark genug, um mit einer skurrilen Erzählweise zu punkten. Was bleibt, ist eine sprachlich gute und unterhaltsame Familiensaga. Ein Bild von einem doch selten beschriebenen Land Südamerikas: Uruguay – mit kleinen Hinweisen auf die Geschichte des Kontinents und sein Menschen wie Evita Perón und Che Guevara. Und es bleibt der Wunsch, mal wieder Mate zu trinken.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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