Die uferlosen Geschichten.
Erzählungen von Anant Kumar (2003, Wiesenburg-Verlag).
Besprechung von Prof. Uli Rothfuss, SWO Virtuellen Kulturregion:

Ein schmaler Band mit Geschichten über Liebe, über menschliche Beziehungen, über Alltägliches. Zunächst interessieren diese Geschichten, weil sie ein Inder geschrieben hat, auf deutsch. Anant Kumar, in Deutschland studierter Germanist aus dem Norden Indiens, hat den Blick für das am Weg Liegende, für die Kleinigkeiten, über die viele im täglichen Trott hinwegstolpern, bewahrt. Und er hat eine ganz eigene Sprache für seine Beobachtungen. Er benutzt sie so, dass sie dem Gegenstand des Erzählten entspricht: nicht gekünstelt, nicht konstruiert, sehr poetisch und sehr nah am erzählten Objekt.

Anant Kumar erzählt auch über Indien, aber weder wird dieses Land, diese Welt, verklärt, noch ergeht er sich in naturalistischen Beschreibungen indischer Zustände. Nein, er holt weit aus, er gründet auf indischen Mythen und illustriert diese dann mit zeitgemäßer Handlung, mit Beschreibungen, die ins Heute passen – egal, wo die Geschichte schließlich spielt, im konkreten Indien oder im Asylantenheim in Kamen. Geschichten, die beim ersten Lesen für Kinder geschrieben sein könnten, bis sich dem Leser erschließt, dass er ganz persönlich gemeint ist, dass er selbst mitten in der Handlung steht. Illustriert sind die Geschichten mit farbigen Fotos von Norbert Zaucher. Ein schön aufgemachtes, lesenswertes Bändchen.

Leseprobe I Buchbestellung 0204 LYRIKwelt © Uli Rothfuss