Die
Tugend die Trauer das Warten die Komik.
Roman von Wilhelm Genazino (2009,
Verlag Ulrich Keicher).
Besprechung von Judith von Sternburg in der Frankfurter Rundschau, 17.9.2009:
Genazino im Mousonturm
Ente, Zahnbürste, Fertigsalat
Der Ich-Erzähler, ein Architekt mittleren Alters, ist auf dem Weg nach Hause. Aber es wäre keine Herberge für ihn in einem Buch von Genazino, wenn er nicht unterwegs etliches wahr- und unternehmen würde. Unter anderem besucht er ein sehr leeres Kaufhaus, wo er sich zum Kauf des Wasserkessels aufrafft. Denn schon ahnt man, dass ihm das schwer fällt. Auch sonst ist einiges über ihn zu erfahren: Er hat eine von "mehrschichtigen Empfindungen" geprägte Beziehung zu einer Frau namens Maria. Maria hat ein Alkoholproblem und klare Vorstellungen. Recht konventionell leistet er passiven Widerstand (das ist das sensationelle Moment am Kauf des von ihr lange eingeforderten Wasserkessels). Die Beerdigung eines Freundes steht bevor. Der Freund war eher der dominante Typ. "Ich nehme an, dominante Menschen brauchen eine weniger bemerkenswerte Umgebung " Nach dem von ambivalenten Gefühlen begleiteten Kauf des Fertigsalats kommt der Mann nachhause und Wilhelm Genazino bald darauf auf die letzte Seite seines Ausdrucks.
Das war ärgerlich, aber vorerst endgültig. Als Gast des Hessischen Literaturforums im Frankfurter Mousonturm las der Büchner-Preisträger aus einem noch unveröffentlichten Text vor. Bei den Zuhörern konnte er dessen Funktionstüchtigkeit testen. Sie war in hohem Maß vorhanden.
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