Die Traumjäger von Tom Drury, 2009, Klett-CottaDie Traumjäger.
Roman von Tom Drury (2008, Klett-Cotta - Übertragung Gerhard Falkner und Nora Matocza).
Besprechung von Fitzgerald Kusz in den Nürnberger Nachrichten vom 9.10.2009:

Wie bei Tschechow: Tom Drurys «Die Traumjäger»
Irgendwo tief in Iowa

Zu den profiliertesten amerikanischen Autoren der Gegenwart gehört der 1956 in Iowa geborene Tom Drury. Er arbeitete zunächst als Journalist für diverse Provinzblätter, bis der «New Yorker» auf seine Kurzgeschichten aufmerksam wurde. Drury hat bislang vier Romane verfasst. Der bereits im Jahr 2000 herausgekommene Roman «Hunts in Dreams» liegt auch auf Deutsch vor: «Die Traumjäger», mustergültig übersetzt von Nora Matocza und dem aus Franken stammenden Lyriker Gerhard Falkner.

Alle vier Mitglieder der Darling-Familie träumen sich weg.

«Die Traumjäger» spielt an einem ganz gewöhnlichen Wochenende in einem Kaff irgendwo in Iowa, wo sich arme Farmer durchs Leben schlagen. Eine leise Melancholie, die immer wieder ins Komische überschwappt, durchweht Drurys «Short Cuts» aus der amerikanischen Provinz. Vier Hauptpersonen, die Mitglieder der Patchwork-Familie Darling, bestimmen die Handlung, die wie in einem
Tschechow-Stück nicht vom Fleck kommt. Der von Tschechow beschworene Aufbruch «Nach Moskau» findet nicht statt.

Alle vier Mitglieder der Darling-Familie träumen sich weg. Der Klempner Charles, der einen Einbruch begeht, um das alte Gewehr seines verstorbenen Stiefvaters wiederzubekommen. Seine Frau Joan, die nicht so recht in diese Welt der kleinen Leute und auch nicht zu Charles passt. Sie bewahrt ihre Bühnengarderobe vorsichtshalber in Charles’ baufälliger Scheune auf.

Nur sie, ehemalige Schauspielerin und jetzt überzeugte Tierschützerin, bricht aus und landet in einem anderen Kaff irgendwo in Iowa, wo eine Theatergruppe
Tschechows «Möwe» probt. Joan identifiziert sich mit Mascha, die «nicht weiß, wo sie hingehört und nicht weiß, wozu sie lebt auf dieser Welt.»

Lyris erfüllbarer Traum: Erwachsen werden

Micah, beider Sohn, ist ein scheuer Einzelgänger ohne Freunde. Er träumt von der weiten Welt und der Evolution. Und da ist noch Lyris, Charles’ 16-jährige Stieftochter, die Joan zur Adoption freigegeben hatte. Sie hat ihr bisheriges Leben bei Pflegeeltern verbracht, bis sie von der Organisation «Home Bringers» wieder zu ihrer leiblichen Mutter Joan zurückgebracht wird. Lyris hat als einzige einen erfüllbaren Traum: Sie möchte erwachsen werden.

Als Joan die Familie verlässt, kommt es nicht zur Katastrophe. Charles hatte immer damit gerechnet. Er macht weiter. Alles wird irgendwie immer weitergehen. Auf Charles’ Lieferwagen steht «HIER KOMMT CHARLES DER KLEMPNER». Und Tom Drury ist der
Tschechow des Mittleren Westens.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter Nürnberger Nachrichten]

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