Die Tochter von Jessica Durlacher, Diogenes, 2001Die Tochter.
Roman von Jessica Durlacher (2001, Diogenes - Übertragung Hanni Ehlers).
Besprechung von Elmar Krekeler aus Die Welt, 19.1.2002:

Lieben nach dem Holocaust
Jessica Durlacher: Die Tochter

Die Geschichte kann eine Mauer sein. Unsichtbar und unüberwindlich. Blutig und unbeschreiblich. Gebaut aus Erinnerungen, weitergegeben als steinerne Hypothek von den Eltern an die Kinder. Die stehen mittendrin im Gewirr der Mauern, die das barbarische 20. Jahrhundert um sie herum errichtet hat und müssen mühsam Wege suchen, um zu sich selbst, zueinander zu finden. Einfach so leben ist ihnen unmöglich. So umkreisen sie sich, finden sich, umarmen sich, stoßen sich ab, verlieren sich fast. Liebe ist ein schwieriges Geschäft zwischen den Kindern des Holocaust.

Jessica Durlacher erzählt von diesem schwierigen Geschäft. Schon in ihrem Erstling "Das Gewissen" hatte sich die Niederländerin durch das Seelenlabyrinth der so genannten Zweiten Generation geschrieben, hatte den verwöhnten und von den Erinnerungen ihrer Eltern verschatteten Nachgeborenen ein faszinierendes, furioses Psychogramm gezeichnet. Mit ihrem Zweitling "Die Tochter" setzt sie diese Geisterbahnfahrt fort.

Diesmal sind Sabine Edelstein und Max Lipschitz mit an Bord. Sie begegnen sich an geschichtsträchtiger Stätte, im Anne-Frank-Haus zu Amsterdam. Sie arbeiten sich aneinander heran durch die Hinterlassenschaft ihrer Eltern. Sabine schlägt Löcher in die Wand aus Schweigen, die Maxens Eltern vor ihrer Vergangenheit errichtet haben. Denn Sabine macht kein Geheimnis aus ihrer Geschichte. Ihr Vater hat den Holocaust überlebt. Er muss ein Held sein....Fortsetzung

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.diewelt.de]

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