Die Tiere von Paris von Margit Schreiner, 2011, SchöfflingDie Tiere von Paris.
Roman von Margit Schreiner (2011, Schöffling&Co.).
Besprechung von Peter Pisa aus der Kurier, Wien, 14.10.2011:

Margit Schreiner: "Die Tiere von Paris" -
Scheitern mit einem Trottel

Den Zeichenlehrer von Seite 134 sollte man treffen. Er war nicht sehr beliebt bei den Kollegen. Aber bei den Schülern. Ihnen sagte er: Zeichnen sei wie Leben, macht macht Pläne, und dann kommt alles anders.

Diese paar Zeilen passen zum Buch. Besser als der im Nebel liegende Titel "Die Tiere von Paris" . Die große Linzer Monologisiererin Margit Schreiner lässt eine Alleinerzieherin - zurückblickend - reden.

Anfangs hört sich das wie Kabarett an. Weil: Damals, als die Geografin in Paris schwanger wurde, zog ihr Ehemann nach Wien, um Ruhe zu haben für nichts Geringeres als einen Aufsatz über deutsch-französische Dichter um 1900.
Und als das Baby dann da war, ließ er sich ins Spital bringen. Er diagnostizierte sich nämlich selbst eine Schwangerschaftsneurose.

Allmählich aber lässt sich der Terror dieses krankhaften, rabenschwarz porträtierten Trottels nicht mehr kaschieren, und es ist, was es ist: ein Drama, in das nicht allein die Tochter der beiden gerissen wird. Margit Schreiner führt das Selbstgespräch in "Du"-Form. "Du" musst dir ständig anhören, dass du unflexibel bist (während "Er" sich nur um sich kümmert). Und "Du" bist heilfroh, als endlich die Scheidung klappt.
Aber der alltägliche Wahnsinn ging noch jahrelang weiter. Mutter und Tochter sind zwar ein gutes Team, auch gibt es einen neuen, einen netten Mann.

Aber nun kam - zwischen Wien, Paris und Italien - die Eifersucht dazu: Der Vater sekkiert das Mädchen am Telefon, dass die Mutter eine Hure sei. Das Mädchen will nicht in den Ferien zu ihm. Er besteht darauf. Er zerstreitet sich mit allen.
Man macht Pläne, und dann kommt alles anders ... Das ist ja nichts Neues. Margit Schreiners oft gelobte Radikalität aber hat den Kampf (und auch das Scheitern) in eine neue Form gebracht, die derart wirkt, dass man sich in den Wald zurückziehen will. Allein.

KURIER-Wertung: ***** von *****

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