Die Sünden der Gerechten.
Roman von Ian Rankin, (2011, Manhattan - Übertragung Conny Lösch).
Besprechung von Peter Pisa im Kurier, Wien, 7.1.2012:

Er trinkt Tomatensaft, besucht seinen dement werdenden Vater im Pflegeheim, bleibt noch eineinhalb Stunden bei ihm und schaut sich Fotos an, während der alte Mann längst schläft. Leider schaltet er nicht mehr, wie im ersten Band, nachts jenen Radiosender ein, der nur Vogelgezwitscher spielt –, aber egal: Man mag Malcolm Fox. Man mag ihn sehr. Fast hat er etwas Heimeliges.
Fox löste John Rebus ab. Wie berichtet, wurde der zynische Detective Inspector vom schottischen Schriftsteller Ian Rankin nach 17 Fällen in Pension geschickt. Weil Rebus 60 war und fix und fertig. Malcolm Fox ist noch frisch (obwohl geschieden). Gern arbeitet er im Team. Er raucht nicht. Er trinkt nicht. Eine verheiratete Kollegin möchte öfters mit ihm Sex haben, aber er findet die Situation nicht besonders prickelnd.

Ian Rankin braucht keinen spannenderen Helden mehr. Die Krimihandlung soll der Star sein.

Fox ist interner Ermittler. Er jagt böse Bullen. Selbst Verwandte meinen, er sei gar kein „richtiger“ Polizist. Das stört ihn. Und es wäre ihm lieber, ein Bär von einem Mann zu sein. Aber er ist und bleibt der „Foxy“. In „Die Sünden der Gerechten“ muss er Edinburgh verlassen und ins Hafenstädtchen Kirkcaldy an der Ostküste. Der ehemalige Premierminister Gordon Brown wuchs dort auf. Die Wildnis.

Es ist äußerst empfehlenswert, sich einen Helm aufzusetzen.

Nationalismus

Ein Beamter soll Frauen sexuell bedrängt haben. Die Kollegen schweigen, und als Leser fragt man sich, wie das jetzt auf 500 Seiten ausgewälzt werden kann. Aber von dieser Ausgangssituation geht Rankin nahtlos zurück zum schottischen Unabhängigkeitskampf der 1980er-, 1990er-Jahre. Man merkt gar nichts Konstruiertes. Das zeigt großes Können.

Zuerst muss noch der Verdächtigte umgebracht werden. Dann geht’s auch demjenigen nicht gut, der ihn angezeigt hat. Danach ist der Weg frei fürs Historische – bis zu Waffen, die nach dem Falkland-Krieg verschwunden sind.

KURIER-Wertung: **** von *****

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