Die Sopranistin.
Roman von Jörg Thadeusz (
2011, Kiepenheuer & Witsch).
Besprechung von Michael Brandhoff in der WAZ vom 15.5.2011:

Jörg Thadeusz bringt den Toten Tempo bei
Der Radio- und Fernsehmoderator aus Dortmund legt seinen dritten Roman vor: „Die Sopranistin“. Darin lässt er Menschen ausgerechnet beim Deutschen Fernsehpreis in Berlin sterben – und verkneift sich nicht den Humor.

Drei Tote, 250 Verletzte. Nun, so kann’s kommen, wenn Deutschlands Fernsehschaffende im Berliner Theater des Westens zusammenkommen. Hat sich zumindest Jörg Thadeusz so gedacht und drumherum eine Geschichte gesponnen, die wohl am ehesten als humorvoller Kriminalroman beschrieben werden kann. Titel: „Die Sopranistin“.

Dass Herr Thadeusz wortgewandt ist, hat er bereits an verschiedenen Stellen bewiesen. Als Mann der ersten Stunde bei der WDR-Welle Eins Live. Als Außenreporter bei „Zimmer frei“ und Talkshow-Moderator. Der Dortmunder, inzwischen auch schon 42, ist ein komischer Kauz, einer der eigenwillig und mit hinterlistigem Humor fragt, wie es andere nicht im Ansatz schaffen.

Das Gemetzel bleibt aus

Tote beim Fernsehpreis also, weg vom charmanten Herzschmerz seiner Erstlingswerke („Rette mich ein bisschen“ und „Alles schön“), hin zu mehr Blut. Doch keine Sorge: Es gibt kein Gemetzel, der Autor selbst hat darauf verzichtet, das Buch als Thriller zu bezeichnen. Begründung: zu wenig Tote, zu wenig Spannung, zu wenig Nervenkitzel. Na wenn er meint.

Thadeusz macht Tempo, jagt von einem Ort zum anderen; eine Rasanz, wie sie zu­letzt in Nick McDonells Debüt „Zwölf“ (2003) zu lesen war. Er führt verwirrend viele Personen ein, vergisst dabei auch manchmal, die Protagonisten ein bisschen genauer herauszuarbeiten, entwirrt aber gerade noch rechtzeitig. Okay, bei der Vielzahl kann man vielleicht auch dankbar sein, dass er nicht tiefer ins Detail geht. Thadeusz’ Vorteil bei alledem: Er bewegt sich in der Medienwelt, in der er sich auskennt.

Mit großer Leichtigkeit

Tote und Verletzte also, schlimm genug, und dann taucht auch noch Georg auf, Frisör aus Washington D.C. Ob der mit der Geschichte etwas zu tun hat? Selber lesen!

Jörg Thadeusz erzählt mit einer Leichtigkeit, die der von Frank Goosen oder Tom Liehr nahekommt. Und eins ist klar: Dieser Roman ist unterhaltsam – mehr muss er auch nicht sein.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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