Die Sonnenuhr... von Marten't Hart, Arche1.) - 3.)

Die Sonnen Uhr oder Das geheime Leben meiner Freundin Roos.
Roman von Maarten't Hart (2002, Arche - Übertragung Marianne Holberg).
Besprechung von Barbara Wegmann aus dem titel-magazin, 2003:

Spannung, Atmosphäre, Überraschung

„An einem einzigen Tag war strahlendes Wetter,“ sagte ich bitter, „und da hat Roos diesen Sonnenstich gekriegt“- „Sonnenstich? Das hört man doch selten, dass Menschen an einem Sonnenstich sterben?“

Leonie Kuyper, ja, ja, Maarten’t Hart-Kennern schon längst bekannt aus früheren Büchern, sie ist entsetzt über den plötzlichen und mysteriösen Tod ihrer besten Freundin. Ist die attraktive Chemielaborantin tatsächlich an einem Sonnenstich gestorben, oder steckt womöglich mehr dahinter? Leonie, inzwischen geschieden und als Übersetzerin tätig, dazu noch von der Toten zur gut betuchten Alleinerbin gemacht, deckt nach und nach den faszinierenden „Fall Roos“ auf.

Wer vor Jahren Maarten’t Harts geniales Buch „Das Wüten der ganzen Welt“ gelesen hat, davon und auch von dem sentimentalen Niederländer genauso begeistert war wie seine schnell wachsende Fangemeinde hierzulande, der darf auf keinen Fall „Die Sonnenuhr“ verpassen. Ein Roman, der alles hat, was ein Bestseller braucht: Spannung, Atmosphäre, Überraschung, glaubwürdige Charaktere, persönliche Schicksale und vor allem eine gut durchdachte, raffinierte, fantasiereiche Story. All das ist vorhanden, all das wurde komponiert zu einer runden und dichten, zu einer verblüffenden und pfiffig ausgeklügelten Geschichte. Absolut routiniert, da stimmt alles, da wird es nirgendwo langweilig, da gibt’s keine Brüche und keine Einbrüche. Wie in einem Rutsch geschrieben und so liest es sich auch.

Was ist das für ein „netter Club“, in dem Roos verkehrte? Woher kommt das viele Geld, das sie vererbt? Hatte sie Feinde? Führte sie ein Doppelleben? Warum soll Leonie in die Fußstapfen ihrer toten Freundin treten? „Was hatte ich zu verlieren? Höchstens einen Teil von mir selbst. Von mir selbst hatte ich jedoch allmählich genug. Wäre ich jemand anders, würde ich einen großen Bogen um mich machen.“

So wie Maarten’t Hart seine Ich-Erzählerin Leonie zeichnet, weich, sensibel, zurückhaltend, introvertiert, so gekonnt und voller Leben portraitiert er auch die anderen Figuren. Sie alle sind so individuell und mit eigenem Charakter, dass ein buntes und sehr lebendiges Bild menschlichen Miteinanders entsteht: mit höchst spannenden, vielleicht ja sogar mörderischen Seiten, daneben mit vielen komischen und witzigen, manchmal sentimentalen Facetten. Und Maarten’t Hart wäre nicht Maarten’t Hart, gäbe es nicht, je nach Stimmungslage, die Exkurse in Religion, Philosophie und Musik. Eben die so ganz persönliche, unverwechselbare Handschrift eines großartigen Autors.

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Die Sonnenuhr... von Marten't Hart, Arche2.)

Die Sonnen Uhr oder Das geheime Leben meiner Freundin Roos.
Roman von Maarten't Hart (2002, Arche - Übertragung Marianne Holberg).
Besprechung von Martin Luchsinger in der Frankfurter Rundschau, 12.05.2003:

Die Kleidungsfrage stirbt nie
Maarten t' Harts neuer Roman "Die Sonnenuhr" ist zwar nicht die Ewigkeit geschrieben, aber eine vergnügliche Lektüre. Doch Vorsicht! Nicht in die Sonne gehen!

Über 30 Bücher hat Maarten t' Hart mittlerweile geschrieben, zur Hauptsache Romane, Erzählungen und Essays, und noch immer gelingen ihm erste Sätze: "Roos war tot, und ich wusste nicht, was ich anziehen sollte". Elegant zieht uns Hart in den Text, virtuos spielt er auf der Klaviatur der Erzählkunst: Die Sonnenuhr ist ein Ich-Roman voll mit sprühenden Dialogen, ein Kriminalroman mit viel Psychologie, eine Parodie auf das Genre des Frauenromans und zugleich eine Reflexion über den Sinn des Strafens. Zuviel des Guten, könnte man einwenden, und wer Maarten t' Hart bisher als anspruchsvoll-unterhaltsamen Romancier kennengelernt hat, der sich episch breit und seriös mit der Schuldthematik im besetzten Holland auseinander setzt, wird von der leichthändigen Schreibweise überrascht sein.

Bereits 1983 veröffentlichte er in Holland einen Krimi, der über 200 000 mal verkauft wurde. 1999 erschien er unter dem Titel Die schwarzen Vögel endlich auf Deutsch und wurde vielfach gelobt. Als Thriller, der mit profunder Sachkunde in einem Tierforschungslabor angesiedelt ist, viel Spannung erzeugt und die Abgründe einer Ehe auslotet, bietet er kein geringes Lesevergnügen; mit seiner zeitgeschichtlichen Situierung im Holland der 80er Jahre hat er aber schon etwas Staub angesetzt.

Maarten t' Harts neuester Roman knüpft inhaltlich an Die schwarzen Vögel an, am deutlichsten mit der Hauptfigur Leonie Kuyper. Sie ist noch immer ein Mauerblümchen und mittlerweile nach vier erfolglosen Versuchen, ihre Kinderlosigkeit durch eine künstliche Schwangerschaftseinleitung zu beenden, von ihrem Mann Thomas geschieden. Als Übersetzerin französischer Literatur und als Aushilfslehrkraft ist sie nicht unglücklich mit ihrer Existenz, erträgt den Anblick von Kinderwagen jedoch noch immer schlecht, zumal ihre ehemaligen Freundinnen bereits Großmutter werden. Seit ihrer Scheidung hat sie sich mit der Chemielaborantin Roos Bercys angefreundet. Diese ist mit ihrer selbstbewussten, resoluten Art, unverheiratet und entschieden kinderlos, in vielen Dingen das genaue Gegenteil von Leonie, die sich gerne als schüchterne Transuse bezeichnet.

Buchstäblich aus heiterem Himmel stirbt Roos eines schönen Mittwochs während des Sonnenbadens am Strand. Todesursache ist laut Obduktionsbericht ein Sonnenstich. Für die schockierte Leonie wird damit alles anders, denn Roos hat ihr das gesamte Erbe vermacht. Einzige Bedingung ist, dass sich Leonie um die verwöhnten, von Roos heißgeliebten Katzen kümmert. Leonie nimmt sich diesen letzten Wunsch sehr zu Herzen, wechselt sofort in das luxuriöse Apartment und gleicht sich auch äußerlich Ross immer mehr an, eine Art Trauerarbeit, die ihre Umgebung zunehmend als Leichenfledderei erfährt. Maarten t' Hart, der seine holländischen Mitbürger bei Gelegenheit als Transvestit zu erschrecken pflegt, nutzt diese Motiv genüsslich, um die ganze Palette weiblicher Maskerade durchzuspielen, von angeklebten Nägeln über Schmuck, Frisur und Schminke bis zum Korsett.

Innere Widerstände überwindet Leonie mit Bibelzitaten, ein für t' Hart typischer Seitenhieb auf die calvinistische Bigotterie: "Prüfet alles, und behaltet das Beste, um mit Paulus zu sprechen. Alles? Nein, keine Drogen, keinen Inzest, kein Bungee-Jumping, keinen Sadomasochismus!" Es zeigt sich, dass Leonie noch mindestens einen dieser vier Vorbehalte ablegen muss. Als Doppelgängerin von Roos begibt sich Leonie in große Gefahren. Schon bald verdichten sich die Indizien, dass Roos nicht eines natürlichen Todes gestorben ist. Wurde sie vergiftet? Und von wem? Welche Rolle spielt der Spanner, der sie jahrelang heimlich beim Sonnenbaden gefilmt hat? Woher hatte Roos soviel Geld? Stellte sie, die gelernte Chemielaborantin, heimlich Drogen her? Steckt eine Intrige ihres Labors hinter dem Mord? Oder gar ein mit diesem um spektakuläre Forschungsergebnisse konkurrierendes ausländisches Labor? Virtuos entwickelt Maarten t' Hart unterschiedliche Fährten, geschickt dosiert er den Einsatz von Zufällen, schrägen Nebenfiguren und neuen Indizien. Die titelgebende Sonnenuhr samt einer sie umrankenden, giftigen Datura wird exakt im 13. von insgesamt 26 Kapitel eingeführt. Immer wieder lässt sich der Leser von falschen Spuren irreführen und muss doch nachträglich erkennen, unübersehbare Hinweise überlesen zu haben. Und wem dieses detektivische Spiel nicht genug ist, den erwartet zum Schluss eine intellektuelle Herausforderung. Leonie verzichtet darauf, die für den Mord an Roos verantwortliche Person einer Bestrafung zuzuführen, eine unüberhörbare Einladung an die Leserinnen und Leser, anhand eines konkreten Falles grundsätzlich über die Bedingungen von Schuld und Sühne nachzudenken. So bietet Maarten t' Harts neuer Roman Die Sonnenuhr ein vielfältiges Lesevergnügen, auch wenn er nicht für die Ewigkeit geschrieben ist.

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Die Sonnenuhr... von Marten't Hart, Arche3.)

Die Sonnen Uhr oder Das geheime Leben meiner Freundin Roos.
Roman von Maarten't Hart (2002, Arche - Übertragung Marianne Holberg).
Besprechung von Michael Amon :

Ein witzig-humorvolles Buch voll kluger Beobachtungen. Hervorragend geschrieben und zu guter Letzt nach meinem Gefühl doch in den Sand gesetzt, sodaß man sich fragt: führt einen der Autor an der Nase herum? Soviele Worte für so wenig Inhalt? Ein Buch von merkwürdig leerer Eleganz.

Weinempfehlung:
Rosemount Shiraz, Jahrgang egal, verspricht mehr, als er hält. Ein Wein von merkwürdig leerer Eleganz.

Plattenempfehlung:
Vielleicht irgendwas von Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick and Tich ...

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Leseprobe I Buchbestellung 1111 LYRIKwelt © Michael Amon