Die SMS
des Peter Vonstadl an Herbert Fuchs (2010, Edition Pension Isabella).
Besprechung von Helmut Schönauer , 30.1.2010:

Spätestens seit den Erfolgsromanen von Daniel Glattauer, in denen es um die Erotik im Internet geht, sind so Medien wie SMS, Blog oder Facebook literaturfähig geworden.

Immer, wenn es um das Leseverhalten der jüngeren Generation geht, kommt verlässlich das Argument, dass noch nie auf der Welt so viel geschrieben und gelesen worden ist, wenn man nur diese modernen Medien in die literarische Betrachtung mit einbezieht. Und tatsächlich schwappt den Usern täglich der Kopf über, wenn sie ununterbrochen SMS auf das Display gezoomt kriegen.

Der Innsbrucker Autor Peter Vonstadl hat ein paar seiner Mails an den Innsbrucker bildenden Künstler Herbert Fuchs ausgewählt und zu einem echten Buch zusammengebunden.
Auf der hinteren Umschlagsseite ist sogar etwas wie ein kleiner Vertrag abgedruckt, natürlich in SMS-Form: „(Vertrag:) Hr.H.F. / ist berechtigt mei- / ne SMS zu ma- / len ... Vo.P // 12:18:32 / 27.06.2006''

In diesem Vertragsgedicht ist quasi alles enthalten, was die SMS-Lyrik ausmacht. Die Zeilenführung ist aufgeschnitten wie bei klassischer Lyrik, die Sendezeit ist auf die Sekunde genau angegeben, aus Abkürzungen und Verdichtungen entwickelt sich eine völlig neue Semantik von Botschaften.

- Nur aus Tränen / wächst das (Liebe) / Meehr ...Danke..
- (nicht) von-(stadl) / Hölderlin ...?
- ... Übrigens... Das / Wort („L.B.E'') exi- / stiert in meinen / ca 1600 Gedichten / nur ca 3mal...

In dieser Tonart sind etwa dreißig Gedichte abgedruckt, die erstaunlich lesefreundlich auf den Rezipienten einwirken. In dieser optischen Aufbereitung wird auch wieder klar, dass ein Gedicht vor allem aus Fläche besteht, möglichst weiß und unendlich, woraus wie Gipfel aus einer Bodennebelmasse die entscheidenden Wörter herausragen.

Gedichte haben ja nicht von vorne herein einen Sinn zu haben, oft entsteht dieser erst, wenn das Gedicht schon da ist. Peter Vonstadl unterlegt seinen SMS-Gedichten einen zusätzlichen Sinn: Der bildende Künstler wird damit ermächtigt, etwas dazu zu malen. Für Leser vielleicht ein Hinweis, dass man sich die Gedichte selbst ausmalen muss.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.schoenauer-literatur.com]

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