Die Sichauf die Dinge von Gregor M. Lepka, 2015, BergerDie Sicht auf die Dinge.
Gedichte von Gregor M. Lepka (
2015, Berger Verlag/Neue Lyrik aus Österreich).
Besprechung von Michael Starcke für LYRIKwelt.de, September 2015:

Was bleibt zu bewundern, wenn sich Gestirne verweigern?
Es sind Gedichte wie Merksätze, knapp und auf dem Punkt, die Gregor M. Lepka für seinen Gedichtband „Die Sicht auf die Dinge“ gesammelt hat, im besten und wahren Sinn ein Alterswerk des 1936 in Salzburg geborenen Dichters, der nach zahlreichen Reisen und Aufenthalten im Ausland heute mit seiner Frau, der Autorin Waltraud Seidlhofer, in Wels in Oberösterreich lebt.

Es ist, denke ich, bei weitem mehr als nur eine persönliche Lebensbilanz, die der Dichter ins Wort gebracht hat, „keinem Verlangen verpflichtet, nichts, was den  Blick noch verwirrt.“ Es ist auch keine Bitternis, eher eine Art Ernüchterung, wenn er festhält: „Kaum eine Spur bleibt zurück, / doch der Weg führt weiter ein Stück.“

Viele Fragen sind geklärt, manche jedoch bleiben offen: „Die Enten beim Mühlbach/ sie schwimmen, wie schon vor Jahren, / immer noch auf und ab/ in dem träge fließenden Wasser./ Natürlich sind es nicht mehr/ dieselben Enten./ Sind wir noch dieselben?

Gregor M. Lepka schreibt vom Alter, von „Veränderungen“ und Verinnerlichung, von „Randzonen“ und „Nachdenkpause“, von „Tag und Nacht“ und mit einem der stärksten aller Gedichte des Bandes engagiert und politisch vom „Exil“: „Die Traurigkeit der Begegnung:/ Du, der Du entflohen bist/ einer von mir nie erfahrenen Hölle.“// Für Dich sind die Straßen jetzt leer, / wenn sie auch dicht gefüllt sind/ mit Menschen, denn Du bist anders, / das ist für die Abkehr genug./ Der Mond in der Nacht ist geborgt, / die Stille zu laut, um Dir Gehör/ zu verschaffen, so daß Du langsam/ verstummst.“

Wer so schreibt, der hat das Leben und die Welt mit allen Sonnen-, aber auch mit allen Schattenseiten erfahren und kann feststellen: „Die Bühne aufbereitet/ für den Schein/ den Augenblick, / der Licht und Dunkelheit/ in Schwebe hält, / mit Sinn erfüllt den Raum/ und atmen läßt.“

Gregor M. Lepka schreibt „Die Sicht auf die Dinge“. Sein titelgebendes Gedicht ist Weg, Ziel und Programm, ist „Looking for Illumination“, wie das Bild von Karin Holländer heißt, zu dem er, wie auch zu Bildern anderer Künstler aus der Sammlung des Museums Angerlehner in Thalheim bei Wels, eine Bildbetrachtung geschrieben hat.

„Die Sicht auf die Dinge/ losgelöst von der Beschwerlichkeit/ der Gedanken, die Fracht abgelegt./ Im Grau hinter dem Horizont/ verborgen, gestapelt die Schwere/ des Augenblicks, angedacht/ an das Vergessen.“

Hier schreibt ein empfindsamer Mensch beeindruckend intensiv keinen „Abgesang“, sondern erzählt, sich der Schweigegrenze nähernd, von seiner äußeren und inneren Lebensreise, klug und wach, als habe er die Poesie gefunden, ohne danach zu suchen. Seine Gedichte sind wie Filmsequenzen oder auch wie jene Bildbetrachtungen, denen er, wie oben schon erwähnt, ein Kapitel seines Buches widmet. Seine Gedichte sind „Gedankenfluß“: „Angekommen/ im Baumreich/ auf den Hügeln.// Ganz/ bei sich selbst.“

Sie thematisieren Lebensstationen, Natur, Bäume, Erkenntnisse, „Bruchstücke von Erinnerung“, gerne Vögel als verkörperte Metapher und last not least das Unterwegssein auf Reisen: „Blick von der Reling, / unverfängliches Schweigen, / die Landschaft zieht/ wie in einem Traumreich/ ungeordnet vorbei, /Flug der Reiher/ über dem Schilf.“

Diese Gedichte erzählen Vom „Abschied“: …die Zeile bricht wie das Verstummen/ es verlangt.“ Sie erzählen von „Schnittstellen“: „Schnittstellen bilden ein Muster/ nicht ohne Reiz, aufgebahrt/ in der Vergänglichkeit, / die uns verläßlich erreicht.“ Sie erzählen von einem Dichter, der trotz seines Alters aufmerksam und kritisch geblieben und manchmal noch einmal Kind ist: „wir, nochmals Kinder, umschleichen/ die Schafherde,  die auf der Wiese/ den Wind ausprobiert.“ Sie erzählen von einem Dichter, der dankbar konstatiert: „Der Spaziergang mit etwas gekrümmten Rücken/ hat noch immer nicht ganz seinen Glanz/ von früher verloren, als noch die Sonne/ eine andere war.“

Viele dieser Gedichte werden bleiben und ihre Worte werden zählen, auch deswegen, weil sie mit ihren Sujets behutsam umgehen, klar und deutlich sind und einen starken, mitfühlenden Charakter haben.

Chapeau, möchte ich dem Dichter von dieser Stelle aus zurufen, „ein Anflug von Leben/ gezeichnet in eine Ferne aus Blau.“

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter ]

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