Diese sehr ernsten Scherze von Daniel Kehlmann, Wallstein, 2007Diese sehr ernsten Scherze.
Poetikvorlesungen von Daniel Kehlmann (2007, Wallstein-Verlag).
Besprechung von Jens Dirksen aus der NRZ vom 4.05.2007:

Kehlmanns ernste Scherze

Goethe schrieb in seinem allerletzten Brief, als er auf "Faust II" kam, von "sehr ernsten Scherzen". Daniel Kehlmann, der mit seiner "Vermessung der Welt" unversehens zum Bestsellerautor wurde, hält das für eine treffende Charakterisierung von Literatur überhaupt.

Und so sagt er zwei Poetik-Vorlesungen lang lauter ernste Dinge über Literatur in der scherzhaften Form eines Schriftsteller-Interviews - ein Genre, das ja Wolf Haas unlängst erst zu einem ganzen Roman ausgeweitet hat. Kehlmann weist mit seinem Vorbild Nabokov darauf hin, dass erzählerische Fehler zwar tödlich sind - aber eben nicht jede Abweichung der Literatur von der Realität ein Fehler ist. Kehlmann zieht eine Linie des Magischen Realismus von Kafka über García Maarquez bis, ja, Daniel Kehlmann. Er weiß keine Regeln des Schreibens, nur dass es stimmig sein muss.

Und er teilt einen feinen Seitenhieb nach dem anderen aus, gegen Kritiker, gegen Leser in Lesungen, gegen die Deutsche Bahn und - "die Goethe-Institute sind eine wunderbare Einrichtung, die es dem deutschen Literaten ermöglicht, fremde Städte kennen zu lernen und am anderen Ende der Welt vor einem erlesenen Publikum aus Düsseldorfern, Hannoveranern und Hamburgern seine Dichtung zum Vortrag zu bringen." (JD/NRZ)

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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