Diesel von Viktor Glass, 2008, Rotbuch1.) - 3.)

Diesel.
Roman von Viktor Glass (2008, Rotbuch).
Besprechung von Cornelia Merkel für den Iserlohner Kreis-Anzeiger, 26.03.2008:

Dieter Walter alias Viktor Glass
"Technik ist mir in die Wiege gelegt": Biografischer Roman über Robert Diesel

Mit einem lesenswerten biografischen Roman über den Erfinder des Dieselmotors, Rudolf Diesel, sorgt der Iserlohner Dieter Walter für Furore. Unter dem Pseudonym Viktor Glass veröffentlichte er sein 350 Seiten starkes Werk „Diesel”.

Es erschien zeitnah zu den Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag des großen Erfinders und Industriellen Rudolf Diesel. Dadurch ist er derzeit besonders gefragt bei Vorträgen rund um einen der berühmtesten deutschen Erfinder.

„Technik ist mir in die Wiege gelegt”, verrät der Autor, der seit dem Jahr 2000 in Augsburg lebt, aber vor 57 Jahren das Licht der Welt im Iserlohner Bethanien-Krankenhaus erblickte. Seine Kindheit verbrachte er an der Langen Hecke und am Hochbehälter.

Als seine Familie nach Hattingen umzog, verlebte er aber sämtliche Schulferien in Iserlohn, wo seine Großeltern in der Bonstedtstraße einen Kleinbetrieb hatten, in der sie Polierscheiben für Metallschleifereien herstellten.

Dieter Walter studierte Publizistik und Sinologie in Bochum, arbeitete im Kulturamt der Stadt Bochum und danach als Schriftsteller. „Ich habe zahlreiche Titel unter verschiedenen Pseudonymen geschrieben, seit 1980 sogar freiberuflich”, erzählt er. „Reise- und Wanderführer und Kindergeschichten schreibe ich unter meinem Realnamen, romantische Liebesromane unter einem englischen Pseudonym und Viktor Glass ist ausschließlich zeitgeschichtlichen Romanen, das heißt, historischen Romanen mit erkennbarem und nachprüfbarem Einfluss auf unsere Gegenwart vorbehalten.” Seine historischen Romane spielen in früher Vergangenheit, einer noch nachprüfbaren Welt: „Mit Hauptpersonen, deren Enkel und Urenkel noch existieren und mir notfalls den Hals umdrehen könnten, wenn ich Unsinn schreibe”, witzelt er.

Das „Diesel”-Buch ist nach seinen eigenen Aussagen sein „großer Wurf”: „Mit meinem biografischen Roman ging der Berliner Rotbuch-Verlag gleich mit 25 000 Exemplaren an den Start.” Es geht darin um viel Technik, die Erfindung des Motors, des Treibstoffs und vieles mehr, aber in erster Linie um den Menschen Rudolf Diesel und seine sozialreformerischen Ideen. Von der Familie des Erfinders erhielt er ein positives Echo: „Ein Großneffe meines Romanhelden hatte von der Stadt Augsburg ein Exemplar meines Buches als Geschenk erhalten und kaufte am Gala-Abend noch zwei weitere, die ich signieren sollte, er wollte das Buch seinen Enkeln zur Konfirmation schenken”, freut sich Dieter Walter. „Ein größeres Lob kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.”

Der Autor analysiert die verschiedenen Theorien des ungeklärten Todes seiner Hauptfigur: Rudolf Diesel ertrank auf der Überfahrt nach England unter mysteriösen Umständen. Dieter Walter alias Viktor Glass vertritt die Mordthese. In der Tat hatte der geniale Erfinder viele Feinde, allen voran den amerikanischen Ölmillionär John D. Rockefeller, der den berühmten Erfinder einmal seinen „Todfeind” nannte. Nach allem was Viktor Glass dem Leser präsentiert, ist das besser nachvollziehbar, als die Suizid-Theorie, die eigenartigerweise der Sohn Eugen in der Biografie seines berühmten Vaters verfolgte.

Der Roman über den großen Erfinder sei auf der Buchmesse gut aufgenommen worden, berichtet der Autor, der jetzt natürlich auf Lesereise gehen möchte. In Schulen ist er derzeit sehr gefragt. „Ich habe es bewusst verständlich geschrieben”, erklärt der Autor. In der Tat, die technischen Zusammenhänge sind auch für nichttechnikbegeisterte Laien gut nachvollziehbar. Der Fleiß und die Zielstrebigkeit von Robert Diesel stehen bei den Diskussionen mit den Schülern im Mittelpunkt.

Über ein Engagement in seiner Geburtsstadt Iserlohn würde er sich sehr freuen, sagt er im Gespräch mit der Heimatzeitung. Mit großem Interesse sieht er besonders der Eröffnung des „Literaturhotels Franzosenhohl” entgegen. „Dort bin ich früher gern gewandert”, erinnert sich der amtierende Vorsitzende des bayerischen Schriftstellerverbandes, der neben verschiedenen Reiseführern über Australien übrigens auch einen Wanderführer über die Nachbarstadt Hagen verfasst hat. Das Buch „Hagen erwandern” sei aber leider vergriffen, weiß der Autor.

Auf die Frage, wie er zu dem Pseudonym Viktor Glass kam, antwortet er: „Auf den Namen stieß ich in einer barocken Kirche in der Nähe von Dachau. Dort sind in den Kirchenbänken die Namen der Platzinhaber angebracht. An den Wänden sind Tafeln mit Namen von im Krieg Vermissten. Ich habe den Vornamen von hier, den Nachnamen von dort genommen, Vornamen aus Diesels Geburtsjahr, Nachnamen aus seinem Todesjahr.” Er habe dann im Internet nachgeforscht, ob es den Namen gab - bis dahin nicht, außer bei einer russischen Firma, die sich mit C schreibt und Glas herstellt. „Doch als ich Freunde fragte, ob ihnen der Name bekannt vorkäme, sagten viele ja. Also die besten Voraussetzungen für den tollen Erfolg, der mich nun trotzdem ziemlich überrascht hat”, gesteht Dieter Walter (Viktor Glass).  Er setzt hinzu: „Ich habe bisher eine Menge geschrieben, aber noch nie einen Bestseller gehabt. Mir ist jedoch klar, dass ich das in erster Linie der Persönlichkeit Rudolf Diesels zu verdanken habe.”

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Diesel von Viktor Glass, 2008, Rotbuch2.)

Diesel.
Roman von Viktor Glass (2008, Rotbuch).
Besprechung von M. Knoblauch für Amazon.de, 2.07.2008:

Akribisch recherchiert, spannend inszeniert

Wer kennt Diesel? Nicht die Jeans-Marke oder das Bier-Cola-Gemix, nicht den Treibstoff oder den Selbstzünder, sondern den Erfinder des Diesel-Motors, den zu Unrecht vergessenen Tüftler und Idealisten Rudolf Diesel. Ein Mann, der einen Traum hatte und ein Ziel mit unerschütterlicher Hingabe verfolgte. Ein Genie, dessen technische Errungenschaft den Verlauf der Weltgeschichte bestimmte und noch bestimmt. Und zwar nachhaltiger als die meisten Erfindungen und Entdeckungen, bislang, nur noch zu vergleichen mit der Anwendung der Elektrizität. Man denke nur an das Transport- und Bauwesen, den Abbau von Rohstoffen und Bodenschätzen, die Landwirtschaft, das Militär... Ohne den Diesel-Motor gäbe es keine modernen Schiffe, LKWs, Zugverkehr in abgelegenen Gegenden, keine Bagger, Planierraupen, Straßenwalzen, keine Traktoren und Erntemaschinen, keine Panzer und U-Boote. Trotzdem blieb der Erfinder dieses epochebestimmenden Antriebsaggregates in der Öffentlichkeit so gut wie unbekannt, zumindest hierzulande, während er in ostasieatischen Ländern wie Japan als bedeutender Mann und technisches Genie verehrt wird. Während die Geburts- und Todestage aller berühmten und weniger berühmten Personen in den Medien Erwähnung finden, mit Sondermarken und Gedenkmünzen geehrt werden, es zu ihrem Gedenken Veranstaltungen und Festivals gibt, findet der diesjährige 150. Geburtstag Rudolf Diesels kaum Erwähnung. Dieses Werk ist die Biographie und Hommage eines großen Mannes. Nur selten habe ich einen Roman in der Hand gehabt, in dem Lebensgeschichtliches, Historisches und Sachkundliches in einer solch lesbaren und hochspannenden Weise vermittelt wurde. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre für alle historisch-technisch Interessierte sein, ist aber auch jedem zu empfehlen, der eine anspruchsvolle und fesselnde Lektüre sucht. Ich war begeistert und vergebe fünf Sterne.

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Diesel von Viktor Glass, 2008, Rotbuch3.)

Diesel.
Roman von Viktor Glass (2008, Rotbuch).
Besprechung von Kurt Tetzeli aus der NRZ vom 14.7.2008:

Der Roman unseres Missvergnügens
Biographie oder nicht - in Viktor Glass' "Diesel" stottert der Erzählmotor.

Der Kritiker, der einst schrieb, alle Literatur sei nichts als die Biographie großer Männer, mag für sein 19. Jahrhundert, sexistisch beschränkt, Recht gehabt haben. Heute gilt eher, dass alle Biographien, da sie erzählt werden, Romane werden. Dennoch: Plausibilität, literarische Überzeugungskraft ist es, was wir nach wie vor von einem Roman erwarten - Genauigkeit, dokumentierte Richtigkeit hingegen von einer Biographie.

Der Sturz von der Kanalfähre - doch kein Selbstmord

Viktor Glass jedoch nennt seine Darstellung des Lebens von Rudolf Diesel "Roman", schreibt dieses aber in weiten Teilen als Biographie. Er betritt selbst den Schauplatz, schreitet die Straßen von Paris ab, in denen der junge Rudolf lebte. Er präsentiert sich, wie er in Bibliotheken sitzt, um die Milieus von Diesels Wirkungsstätten in Augsburg, München, Berlin zu studieren, zitiert irgendwas aus der Augsburger Abendzeitung und diskutiert abschließend Eugen Diesels, des Sohnes, Biographie.

All dies nicht, um postmodern die Perspektive des Erzählers bewusst zu machen. Glass zielt auf historische Korrektheit, verwendet seine Recherchen, um brav und trocken Lokalkolorit zu erzeugen, um politische und soziale Hintergründe anzudeuten.

So stellt sich die Frage, ob Glass' These stimmt, der Sturz Diesels von einer Ärmelkanalfähre am 29. September 1913 sei ein Mord gewesen. Da tut sich manche Lücke auf: Zwar werden Diesels Kopfschmerzen leitmotivisch erwähnt, über deren mögliche psychische Ursachen aber wird kein Wort verloren. Das Gleiche gilt für die verheerenden Grundstücks- und Finanz-Spekulationen Diesels - er stand kurz vor dem Ruin. Wodurch für die Selbstmordthese einiges mehr spricht, als der Autor es wahrhaben will.

Ein Roman bräuchte sich auf solche Diskussionen nicht einzulassen.. Er muss Wahrscheinliches kraft seiner Sprache, Erzählweise, Handlungsführung, seiner Kunstfertigkeit überzeugend gestalten. Gerade hier aber gelingt dem Autor wenig. Diesel ist als Held ohne Furcht und Tadel konzipiert, als Verkörperung des Ideals der Selbsthilfe, der Nützlichkeit und der Fortschrittsideologie. Gegenkräfte, seien es die Erfnderrivalen oder geschäftliche Konkurrenten wie Rockefeller, bekommen keine eigene Stimme, sind schlicht böse. Weder ein bewegender Konflikt noch eine spannende Handlung können so entstehen.

Und die Sprache tut ein Übriges. Die Figuren äußern ihre Gefühle und Gedanken nicht, wie es die Situation erfordert - sie sondern Vorgestanztes, Klischiertes ab. Ganz so, wie es auch der Autor bei seinen Beschreibungen tut. So dass sich selbst die geneigtesten Lesenden abwenden werden, vielleicht nicht, wie es in einer der typisch ungelenken Formulierungen heißt "fast alle mit einem Entsetzen ihrem Gesicht", gewiss aber missvergnügt. (NRZ)

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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