Die Seidenweberin.
Erzählungen von Ursula Niehaus (2007, Knaur).
Besprechung von Andreas Thiemann aus der Westfalenpost, Hagen, 22.01.2008:

Frauenschicksal als großes Sittengemälde
Mit ihrem opulenten Mittelalterroman "Die Seidenweberin" ist Ursula Niehaus ein sehr beachtliches Literaturdebüt gelungen.

Die 42-jährige Rheinländerin erzählt höchst einfühlsam vom Schicksal einer jungen, tapferen Frau, die sich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Köln als Seidenweberin ausbilden lässt und daraufhin dann eine eindrucksvolle Karriere in ihrem Beruf sowie auch ihrem Privatleben startet.

Dass die Autorin selbst eine regelrechte Leidenschaft für Stoffe und ihre Herstellung pflegt, ist zum einen eine fachlich solide Grundlage dieses Romans, führt andererseits aber auch zu gewissen Längen, wenn die jeweiligen Beschreibungen der verschiedenen Techniken und Herstellungsvorgänge allzu detailverliebt vorgetragen werden. Hier hätte das immerhin knapp 640 Seiten umfassende Buch durchaus ein paar beherzte Straffungen vertragen können.

Wer sich allerdings durch diese Passagen durchliest, wird mit einer spannenden Handlung entschädigt, in deren Verlauf es manche Überraschungen gibt. Zugleich entsteht auch ein facettenreiches und sehr interessantes Zeitgemälde des Zunftwesens im mittelalterlichen Köln. Die Stellung der Frau gerade im Bereich der Seidenweberei darf dabei als vorbildlich und erstaunlich modern bewertet werden. Abseits historischer Fakten schreibt Ursula Niehaus zudem über die Kunst des Durchhaltens auch in schweren, schier aussichtslos erscheinenden Situationen. "Die Seidenweberin" ist gute Unterhaltungsliteratur.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie in der WESTFALENPOST]

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