Die Schwebebahn.
Roman von
Uwe Tellkamp (2010, Suhrkamp).
Besprechung von Jens Dirksen in der
NRZ vom 25.11.2010:

Uwe Tellkamp – ein Mensch von gestern
Nach dem Meisterwerk „Turm“, für das es den Deutschen Buchpreis gab, nun eine Fingerübung: In „Die Schwebebahn“ erkundet Schriftsteller Uwe Tellkamp das Dresden von heute und gestern.

An Uwe Tellkamp war vor zwei Jahren der seltene Fall zu bestaunen, dass ein Sprachkünstler nicht nur die Kritiker für sich einnimmt, sondern – nach dem Deutschen Buchpreis für seinen „Turm“ – auch noch in Bestsellerränge emporschießt. Mag der Wälzer auch oft nur angelesen ins Regal gewandert sein, gab es doch endlich den Roman, der die Wende von ‘89 zu genuiner Literatur kristallisieren ließ.

Nach dem Meisterstück lässt Tellkamp nun eine Fingerübung folgen: „Die Schwebebahn“ sind die Worte dessen, der 2009 in seine Geburtsstadt zurückgekehrt ist und sie sich, durch Straßen und Erinnerungen flanierend, wieder aneignet. Das titelspendende Vehikel, das die Stadtteile Oberloschwitz und Loschwitz miteinander verbindet, spielt nur am Rande eine Rolle, es steht für den Versuch, 84 Meter Höhe zu gewinnen, Überblick.

Doch der Reiz dieser Reminiszenzen-Wanderung liegt in den Details. Sie ergeben ein alltagsgeschichtliches Panorama der DDR-Jahre, als man Filme nur in die Elbe hängen musste, um sie zu entwickeln. Es geht „um den Jungen, der ich war“, wie es einen Tick zu oft heißt, es geht um Gebolze, die alte Klavierlehrerin und ein Denkmal für den Maler Curt Querne, um die Grobheit der neuen Waldschlösschenbrücke und das Orange der Dämmerung von früher. Tellkamp beweist sich als amtierender deutscher Beschreibungsmeister, und dann und wann gelingt ein Satz, der bis zu uns herausragt: „Wie jeder Mensch, und erst recht hier, im Viertel meiner Kindheit, bin ich von gestern.“

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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