Die Schule der Ehemänner von Moliere, DiogenesDie Schule der Ehemänner.
Komödie von Molière.
Bericht von Elisabeth Höving aus der WAZ vom 4.5.1998:

Molière und die Müll-Jungs
Auftakt der Ruhrfestspiele

Wenn eine dumme Knallcharge auf schräge Vögel trifft, ist Spaß garantiert. So gab es viel Jubel für die Collage „Les Poubelles Boys et L’Ecole de Maris“ nach Molières „Die Schule der Ehemänner“, mit der die Ruhrfestpiele ihr 52. Programm heiter und vital eröffneten.

Moderne Comedy trifft klassische Komödie. Die Inszenierung der 76-jährigen Schweizer Theater-Legende Benno Besson kombiniert in lockerem Szenenwechsel die Komödie von Molière aus dem 17. Jahrhundert mit trendhörigen Musikeinlagen.

Wenn sich unter feierlichen Fanfarenklängen der Vorhang öffnet, fällt der Blick auf einen prächtigen Barocksaal voller glitzernder Kronleuchter. In diesen edlen Glanz platzt ein skurriler Typ im Zebra-Look, dem zwei nicht minder bunte Gestalten folgen.

Die „Poubelles Boys“, die französischen Müll-Jungs, schnappen sich Plastikeimer, Besenstiel und Klobürste und swingen damit, was der Abfall hält. Sie steppen, schnippen, albern, rocken und jazzen, bis plötzlich eine andere Schar die Bühne betritt.

Es sind die Figuren aus der klassischen Komödie, allesamt nicht minder schrill und überzogen als die Musikclowns. Die ergrauten Brüder Sganarelle (glänzend als trotteliger Moralist: Roger Jendly) und Ariste (Jean-Charles Fontana) erziehen ihre jungen Frauen, der eine mit selbstsüchtiger Strenge, der andere nach dem Prinzip Vertrauen und Freiheit.

Besson bringt die Protagonisten als klar konturierte Figuren der Commedia dell’ arte auf die Bühne. Der eitle, selbstverliebte Gockel scheitert an der Raffinesse und dem Witz einer Frau, die weiß, was sie will. Der kluge Mann dagegen gewinnt seine Herzensdame ganz so wie im richtigen Leben.

Die Komödie lebt trotz ihres frühen Emanzipations-Postulats von der traditionellen Mischung aus Verwechslung und Liebesschwur, Untreue und List. Was für sich allein heute freilich niemanden mehr vom Hocker reißen würde, bekommt Schwung und Esprit durch die Konfrontation mit den exzellenten Musik-Komikern, den eigentlichen Stars des Abends. Besson spinnt dabei keinen verkrampften roten Faden, die Klammer ist der Klamauk.

Hansgünther Heyme, dem europäischen Gedanken vertrauend, präsentiert mit dem Gastspiel des Theâtre Vidy-Lausanne eine französisch-sprachige Produktion, deutsch übertitelt. Die eigentliche Sprache dieses sinnenfrohen, opulent ausgestatteten Spektakels ist ohnehin der Humor, und der ist international. Das Premierenpublikum feierte die Eröffnung begeistert.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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