Die schönste Wohnung hab ich schon, was soll denn jetzt noch werden? von Irina Liebmann, 2011, Transit

Die schönste Wohnung hab ich schon, was soll den jetzt noch werden?.
Lyrik von
Irina Liebmann (2010, Transit-Verlag).
Besprechung von Manfred Orlick bei Amazon, 27.11.2010:

Erstaunlicher und abwechslungsreicher Lyrikband

Irina Liebmann (1943 in Moskau geboren), die als Schriftstellerin in Berlin lebt, ist vor allem durch Prosa bekannt geworden. Für ihre Bücher erhielt sie zahlreiche Preise. Besonders mit "Berliner Mietshaus", "Letzten Sommer in Deutschland" und "Wäre es schön? Es wäre schön. Mein Vater Rudolf Herrnstadt" fand sie eine interessierte und treue Leserschaft.

Nun hat die Autorin mit "Die schönste Wohnung hab ich schon - Was soll denn jetzt noch werden?" im Berliner TRANSIT Verlag einen erstaunlichen Lyrik-Band vorgelegt, der auch Lieder und kleine Prosaminiaturen in sich vereint. Neben dem Buchtitel verraten auch einige Gedichtüberschriften wie "Die Krankheit der Wohnung", "Lied des Maklers" oder "Ein Haus braucht der Mensch", dass sich in diesem schmalen Gedichtband vieles um Häuser und Wohnungen dreht. So obsessiv wurde über Wohnraum in allen Formen bisher selten geschrieben.

Wie Irina Liebmann in einem Interview bekannte, sind es "Gedanken einer Fußgängerin", die sehr viel auf den Straßen Berlins unterwegs ist. Die Autorin, die 1988 von Ostberlin in den Westteil der Stadt zog, entpuppt sich dabei als exakte Beobachterin des unscheinbaren Stadtlebens. In ihren Gedichten fängt sie Stimmungen ein und beschreibt ihre persönlichen Eindrücke.

Kennzeichnend für diese rhythmischen Texte, die in einem Zeitraum von zwanzig Jahren entstanden, sind Lebenserfahrung, Selbstironie, Sprachwitz und Fantasie - zwischen diesen Polen bewegt sich diese ungewöhnliche Lyriksammlung. Liebmann nimmt dabei häufig die Position der Sprechenden ein, die nah an den Dingen ist, sodass Vorgefundenes und Gedichtetes einen Zusammenhang bilden. Mitunter sind die Verse collageartig aufgebaut, sie vereinnahmen Szenen und Materialien aus unserem Alltag. Diese Vorgehensweise macht den Band überaus abwechslungsreich, verlangt jedoch ein genaues Lesen und Hineinhören.

Nach den Prosawerken von Irina Liebmann entdeckt der Leser nun auch die lyrische Stimme der Autorin, eine eigenwillige und nachdenkliche Stimme.

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