Die rote Antilope.
Roman von Henning Mankell (2001, Zsolnay).
Besprechung von S. Hamann aus Profil,Wien:

Ethno-Kitsch

Henning Mankell hat eine Mission. Er will Afrika, dem vergessenen, geschundenen Kontinent, eine Stimme leihen. Seine Stimme. Was ganz in Ordnung wäre, denn der Autor lebt in Mosambik und kennt sich in Afrika wahrscheinlich aus. Das Problem mit den Missionen beginnt, wenn sie in Neonfarben aus jeder Zeile blinken. „Die rote Antilope“, Mankells neuer Roman, ist die Geschichte von Molo, einem Waisenjungen aus der Kalahari-Wüste, der vor 130 Jahren nach Schweden verschleppt wird. Dort ist es kalt, die Menschen haben unbequeme Schuhe an und verbarrikadieren sich in Häusern, in denen man die Sterne nicht sieht.

Das ist natürlich schlimm – und gleichzeitig das perfekte Setting für eine Parabel. Von Mankell zur Überhöhung gezwungen, übt Molo daher, wie Jesus übers Wasser zu gehen, und malt mit seinem eigenen Blut eine Antilope an die Friedhofsmauer, um den Auftrag seines Vaters zu erfüllen. Ein König auf hoher See kommt auch noch vor, und ziemlich bald ist das zu viel des Guten. Was den Ethno-Kitsch über die Distanz rettet, ist die schlichte, präzise Sprache. Man wünscht sich, Mankell würde sie verwenden, um über sein wirkliches Afrika zu schreiben.

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