Die Reise des Elefanten von José Saramago, 2010, HoCaDie Reise des Elefanten.
Roman von José Saramago (2010, Hoffmann & Campe -
Übertragung Marianne Gareis).
Besprechung von Britta Heidemann in der WAZ vom 29.06.2010:

José Saramagos vorletzter Roman

Am 18. Juni starb der portugiesische Nobelpreisträger José Saramago (87). Doch bevor Interessierte hektisch zu seinem hinterlassenen Roman „Die Reise des Elefanten” greifen, seien sie gewarnt: Dieses Buch ist allenfalls ein Schatten, ein Geist früherer Werke.

Ob es daran liegen mag, dass das Subjekt des Romans sich nicht aus tiefer Dringlichkeit, sondern durch Zufall fand? In einem Restaurant im österreichischen Salzburg entdeckte Saramago einige Holzschnitzereien: Diese erinnerten an eine historische Reise, die ein indischer Elefant im Jahr 1551 unternahm. Das Tier war ein Geschenk Johanns III., König von Portugal und der Algarve, an Erzherzog Maxilimilian von Österreich.

Im Roman heißt der Elefant Salomon. Gemeinsam mit seinem Pfleger Subhro kam er aus Indien nach Lissabon, nun reisen sie gemeinsam nach Wien, begleitet von Ochsenkarren, Soldaten und Kommandanten - zunächst portugiesischen, später österreichischen. Den Zwist beider Länder beschreibt Saramago genüsslich und mit schlechtem Gewissen: „Wir müssen an dieser Stelle zugeben, dass der leicht ironische, unangenehme Ton, der sich auf diesen Seiten stets eingeschlichen hat, wenn von Österreich und seinen Bewohnern die Rede war, nicht nur aggressiv, sondern auch eindeutig ungerecht war. Dies war keineswegs von uns beabsichtigt, aber wir wissen ja bereits, wie das mit dem Schreiben ist, nicht selten zieht ein Wort das nächste nach sich...”

Reflektierende Einlassungen wie diese sind typisch Saramago; doch scheinen sie diesmal eine Geschichte zusammenhalten zu müssen, die selbst kaum trägt. Protagonisten hat Saramago reichlich. Doch der Elefant, sein Pfleger, dessen Kommandant und seine Soldaten werden nicht zu Helden, sondern bleiben Nebenfiguren. Alle. Auch einer klassischen Reisebeschreibung verweigert Saramago sich, mit gewohntem Augenzwinkern („Schade, dass im sechzehnten Jahrhundert die Fotografie noch nicht erfunden war”). So detailreich wie nachdrücklich allerdings wird er dort, wo er seinem jahrzehntelangen Gegner eins auswischen kann: der katholischen Kirche. In Padua soll der Elefant vor der Basilika des heiligen Antonius niederknien, so befiehlt es der Priester - ein Wunder soll das sein!

Wer noch nie ein Buch von José Saramago las und Historisches mag, dem sei empfohlen: „Die Geschichte der Belagerung der Stadt Lissabon”.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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