Die Rache des Chamäleons.
Roman von Åke Edwardson (2013, Ullstein-Verlag).
Besprechung von Lars von der Gönna in der WAZ, 4.4.2013:

Das Leben ist zu schön, um wahr zu sein
Er ist einer der erfolgreichsten Krimi-Autoren Europas. An die Spitze brachten ihn die Fälle um Erik Winter. „Die Rache des Chamäleons“ ist allerdings ein Fall ganz ohne Kommissar.
 
Ist es gut oder schlecht, wenn man bei der Lektüre eines Thrillers immerzu an ein Drehbuch denkt? Gut, weil weder Spannung noch Tempo Mangelware ist. Schlecht, weil man eben doch meint, all das schon einmal leinwandreif gesehen zu haben. Mindestens einmal.

So geht es einem mit Åke Edwardsons neuem Roman. Ein Thriller ohne Ermittler: Damit hatte der Schwede ja schon vor fünf Jahren gedroht, dass es aus ist mit Erik Winter. Ausgerechnet mit dem! Wo er ihm doch eine Millionenauflage eingebracht hat. Winter kam dann doch noch einmal zurück, letztes Jahr. Aber jetzt ist er weg, denn es ist Sommer, wenn auch kein schöner für Peter Matteus.

Eine alte Schuld holt das glückliche Leben ein

Ein Mann mit hübscher Frau und süßen Töchtern, Vorgarten und Hund. Wie langweilig wäre das, kennte das Skript nicht ein bewährtes Rezept. Es holt diesen Peter eine alte Schuld ein, eine große alte Schuld. Begleichen soll er sie durch einen Mord in Andalusien – da, wo alles begann.

Knackige, sehr sauber gearbeitete Ehe-Dialoge, die trefflich zeigen, wie Not zu Lüge wird und kenntnisreich bebilderte Schauplätze zwischen Estepona und Malaga (kein Wunder, Edwardson hat einen Wohnsitz dort) geben der „Rache des Chamäleons“ schönes Futter.

Die heile Welt steht auf den Leichen im Keller

Wie beichtet, wer ewig verdrängt? Wo aufräumen mit dem eigenen Leben, wenn die heile Welt von heute auf den Kellerleichen von gestern ruht? Edwardson erzählt das mit feinem Gespür. Von dieser Seite ist er einem als Erzähler fast lieber als in den anderen Szenen, wenn er den Prosa-Gangster gibt und ziemlich draufdrückt, was Schurken und Schicksale angeht.

Der Sommer, der kein Winter ist, wird Edwardsons Fans wohl nur begrenzt beglücken. Und wenn er am Ende gar zu Platzpatronen greift, möchten sie sich regelrecht verschaukelt fühlen. Dass er als Krimischreiber erzählerisch den meisten Konkurrenten überlegen ist, sollten sie ihm dabei nicht vergessen.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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