Die Puppe und andere Erzählungen von Fischel Libermann, 2001, PhiloDie Puppe und andere Erzählungen.
Erzählungen von Fischel Libermann (2001,
Philo Verlag - Übertragung Armin Eidherr).
Besprechung von sab in Neue Züricher Zeitung vom 26.02.2002:

Es lebe das Jiddische

sab. Im Jiddischen, meinte Martin Buber, sei «das Volkstümliche selbst Sprache geworden», und tatsächlich charakterisiert das Volkstümliche auch jene jiddische Literatur, die der Shoah zum Opfer fiel. Zu den wenigen europäischen Schriftstellern, die das Jiddische als Sprache des Alltags ebenso wie als Sprache der Literatur nach 1945 beibehielten, gehörte Fischel Libermann : 1908 bei Lodz geboren und aufgewachsen, zunächst ins Ghetto gesperrt, dann nach Buchenwald deportiert, überlebte er den Krieg und gelangte in den Wirren der Nachkriegszeit nach Deutschland, wo er als Redaktor und Autor mehreren jiddischen Zeitschriften Profil verlieh und als Universitätsdozent für Jiddisch dafür sorgte, dass diese Sprache und ihre Literatur nicht in Vergessenheit gerieten. Libermanns eigene Erzählungen wurden regelmässig in Zeitschriften veröffentlicht und sind unmittelbar vor seinem Tod im Dezember 2001 in Buchform erschienen. Der erfreulicherweise zweisprachige Band vermittelt einen Eindruck von den stilistischen Möglichkeiten des Jiddischen, die durch die gezielte Verwendung von «Deutschmerismen» gesteigert werden. Ob er die untergegangene Welt des Schtetl und die banale Normalität eines ärmlichen und doch fröhlichen Lebens beschwört, ob er das Hereinbrechen der Gewalt in diese abgeschottete Welt beschreibt oder das Weiterleben nach der Zerstörung darstellt, ob er Charakterskizzen entwirft oder Geschichten spinnt – Libermann bewegt sich stets zwischen Folklore und Phantastik. Das Erlebte erscheint fiktionalisiert, so dass diese Erzählungen auch als verfremdete Lebenserinnerungen angesehen werden können.

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