die ofensau muss raus.
Prosa von Hansjörg Zauner (2005, Droschl).
Besprechung von Markus Köhle, 6.April 2005:

Das brillentragtechnisch betrachtet männliche Pendant zu El Awadalla, der ewige Avantgardist Hansjörg Zauner, legt mit diesem Buch (nach Jolly, 1999) seinen zweiten größeren Prosaband vor. Darin meißelt Zauner wunderbar absurd-abstrakte Textskulpturen mit fein ziselierten Details. Um diesen Sprachflash in vollen Zügen genießen zu können, möge man als Einstieg (oder dann zum Runterkommen) Dominik Steigers "Abra Palavra" lesen und es wird (für die eigene Phantasie) kein Halten mehr geben. "so ist der raumknoten ein rinnen und der doppelstockeinsatz ein loch im zeitknoten fesch. das technikei bricht und löst so manchen gedanken." Führwahr. "der raum flog mit ziemlich hoher geschwindigkeit an mir vorbei und ich blieb das gekritzl hier am blatt." Zauners Technik: "also hineinsteigen [in die Wörter] und zeitgleich umherhüllen." Das ergibt herrlich schmackhafte Texte ohne "Denkfett". Da wird die Sprache "zurückgeboren" und kommen "Wortzuwortbeatmungen" besonderer Güte zum Vorschein, diese springen einen an und bringen einen dann  irgendwohin. "jeder tunnel fährt durch und durch und erreicht vor uns auf der anderen seite die richtung." Zauner schraubt Worthälse auf und stempelt sie von innen. "natürlich gehört licht gelocht damit wir es als lampe aufhängen können." Natürlich gehört solch eine Sprachwucht gestanzt, gebannt und gedruckt, damit wir sie als Buch in die Hand nehmen können. Diese Prosa lässt sich kaum fassen, sie ist "einen apparat für griffe ohne halt". Alles fließt, ist ein Sprachstrom im Textfluss und bevor Wörter untergehen, ist der Wörterrettungswagen zur Stelle und zieht der Semantik den Stöpsel raus. 
In Zauners Begriffsberglandschaft ist alles anders, da wachsen die bäume in den Boden, schlucken die Quellen den Himmel und im Hintergrund spielt "le Tigre" Oh Lampaloma. Zauner ist Wortjäger und Wortwilderer im gleichen Maße. Seine Sprachflinte ladet er mit Schrott aus Sinn, Metaphorik, Lautkörper, Klang, Schriftbild und dann wird auf Dauerfeuer gestellt und das Büchslein zum Krachen gebracht. Dabei wird Sprache nicht etwa zerstört, sondern erhört. Hier herrscht Wortfreiheit, werden Semantik und sprachliche Ordnung verbannt bzw. nach Lust und Laune herumgepfiffen. Das Ergebnis beweist in diesem Fall, dass nichts so ist, wie es schwarz auf weiß da steht. Hier wird nicht abgebildet, hier ist ein Sprachdemiurg am Werk, der keinen Feiertag und keine Grenzen kennt. Ein einzigartiges Buch, keine Frage, da fährt der Bahnhof drüber!

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.autohr.at]

Leseprobe I Buchbestellung 0405 LYRIKwelt © Markus Köhle