1.) - 2.)

Die nutzlosen Schriftsteller.
Roman von Ermanno Cavazzoni (2003, Wagenbach - Übertragung Marianne Schneider).
Besprechung von Christoph Schröder aus der Frankfurter Rundschau, 28.6.2003:

Durch die Nase
Ermanno Cavazzoni, Elettra de Salvo und "Die nutzlosen Schriftsteller"

Ermanno Cavazzoni hatte ein unangenehmes Erlebnis: er hat einen Roman veröffentlicht und ist mithin unter die Schriftsteller gefallen. Und das ist, schenkt man Cavazzoni Glauben, so ziemlich das Schlimmste, was einem passieren kann. Spinner sind das, Neider, Träumer, Blender, eitle Fatzkes und Erotomanen sowieso, wie Tiere in einem Zoo benehmen sie sich, markieren permanent ihr Territorium und nennen es dann Avantgarde, kurz: vollkommen überflüssige Subjekte.

Und darum hat der 1947 geborene Cavazzoni, der an der Universität von Bologna Ästhetik lehrt, sein neues Buch folgerichtig Die nutzlosen Schriftsteller genannt.

Sieben große Kapitel, jedes davon einer der Todsünden gewidmet und wiederum in sieben kurze Texte unterteilt. Das macht 49 kleine Kunststücke, pointiert, witzig, gelehrt, im Frankfurter Literaturhaus abwechselnd vorgetragen von der Schauspielerin Elettra de Salvo und dem Autor selbst.

Der Unterricht in Wollust, derer es ohne Zweifel für eine erfolgreiche Autoren-Karriere bedarf, beginnt mit einer olfaktorischen Unterweisung, denn "die Wollust dringt vor allem durch die Nase ein". Der Geruch der Fahrradsättel schöner Frauen wird zur Quelle der Inspiration, die der weniger schönen riechen nach schwerfälliger Prosa. Das folgende Kapitel zeichnete "das echteste Bild des Schriftstellers im Naturzustand", künstlich isoliert von der Außenwelt, wohl genährt und gerade einmal fähig, den Buchstaben A korrekt zu zeichnen.

Und so ging es weiter. In Ermanno Cavazzonis Romane brechen immer wieder surrealistische Elemente ein, und auch diese (so gar nicht schwerfällige) Kurzprosa ist immer wieder für eine Überraschung gut. Und selbst wer nicht der italienischen Sprache mächtig war, hatte an Cavazzonis gesten- und nuancenreichen Vortrag Freude. So nutzlos kann die Schriftstellerei dann doch nicht sein.

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2.)

Die nutzlosen Schriftsteller.
Roman von Ermanno Cavazzoni (2003, Wagenbach - Übertragung Marianne Schneider).
Besprechung von av in Neue Züricher Zeitung vom 20.12.2003:

Zum Tränenlachen

«Einen Kritiker braucht man, damit ein Schriftsteller sich einen Augenblick einbildet, er würde existieren», schreibt Ermanno Cavazzoni in seinem neuen Buch «Die nutzlosen Schriftsteller». Im Übrigen sind Rezensionen für den Ästhetikprofessor an der Universität Bologna nichts als Werbegeschwätz. So kann man sich kurz halten, wenn man über ihn schreibt. Er hat mit seinem «Gesang der Mondköpfe» und seinen «Lebensläufen der Idioten» Bücher geschrieben, deren freche und phantastische Komik aus dem monotonen Realismus der zeitgenössischen Literaturproduktion weit herausragt. Diesmal präsentiert er ein Traktat in sieben Lektionen mit neunundvierzig Fallbeispielen als Anleitung, ein unnützer Schriftsteller zu werden. Um dieses hohe Ziel zu erreichen, muss man sich in erster Linie in den sieben Todsünden üben, und zwar so lange, bis man «schlaff und gänzlich unfähig geworden ist». Dann kann man sich als Schlittenhund oder Dieb verdingen, andere Schriftsteller versklaven, Zeitschriften gründen oder in Obstbäumen sitzen und auf Inspiration warten. Andere sterben so jung, dass sie nur unbeschriebene Seiten hinterlassen. Cavazzoni schreibt seine Schriftstellergeschichten in einem trockenen und naiven Ton, der einen zum Tränenlachen bringt. Er verzichtet auf stilistische Brillanz, vermeidet Pointen, bewegt sich mit Selbstverständlichkeit zwischen Toten und Lebendigen und kann ohne weiteres einen Schweizer Engel namens Hans Meyer auftreten lassen....Fortsetzung

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