1.) - 2.)

Die Nase.
Kinderbuch von Franzobel (2002, Picus-Verlag).
Besprechung von Silke Rabus aus Rezensionen-online *ag*:

Annotation: In Franzobels erstem Kinderbuch ist eine Nase auf der Suche nach ihrer wahren Bestimmung.

Gottfried ist ein schöner Bub. So schöne Zähne hat er, und groß und schlank ist er, und sehen kann er wie ein Mikroskop. Nur seine Nase, die ist viel zu groß. Die mag er nicht. "Ich hasse meine Nase, dachte Gottfried, ich will sie einfach nicht."

In seinem ersten Kinderbuch entwickelt Franzobel, Bachmann-Preisträger des Jahres 1995, ein amüsantes Szenario rund um die ungeliebte Nase, die die Nase voll hat von den Beschimpfungen ihres kleinen Herrn. Also verlässt sie Gottfrieds Gesicht und sucht im wahrsten Sinne des Wortes nach einer neuen Stelle. Vor allem in den lebendigen Dialogen zwischen dem Riechorgan und diversen Wegbegleitern - einem Hund, einer Kuh, einem Vogel, einer Katze, einer Schnecke,… - entwickelt sich der Reiz der (manchmal allerdings etwas zu bemüht mit Wortbedeutungen spielenden) Kindergeschichte.

Und auch Sibylle Vogels zart konturierte Farbzeichnungen überzeugen über weite Strecken durch ihren originellen und witzigen Zugang zu einem an sich schon sehr komischen Thema. Besonders die mit dünnen Ärmchen und Beinchen ausgestattete Nase gerät im Laufe der schlichten Erzählung zu einem ausgesprochen sympathischen Persönchen. Und so ist man am Ende fast ein wenig enttäuscht, dass das gute Stück wieder an seinen angestammten Platz in Gottfrieds Gesicht zurückkehrt - auch wenn alle anderen Beteiligten darüber sehr sehr glücklich sind.

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2.)

Die Nase.
Kinderbuch von Franzobel (2002, Picus-Verlag).
Besprechung von Christina Gastager-Repolust aus Rezensionen-online *bn*:

Über die Relativität einer großen Nase. (ab 8) (JE)

"Und denk daran, dass du in Gottfrieds Gesicht zwar groß bist, aber in der weiten Welt bist auch du mäuseklein", erläutert der Mäuserich der wandernden Nase. Eine große Nase im Gesicht eines ansonst schönen Buben zu sein, ist ein schweres Los. Gottfried hasst seine Nase und mag seine Augen, seine gesunden Zähne - auch an Bauch und Ohren hat er nichts auszusetzen. All diese Zweifel bekommt die Nase auch dann noch zu hören, wenn Gottfried schläft, besonders die Augen gebärden sich hochnäsig. Da könnte eine Wanderung, eine Auszeit helfen - die Nase rutscht aus Gottfrieds Gesicht und auf geht"s - immer der Nase nach! Natürlich lässt Franzobel die Geschichte gut ausgehen: die Nase hat sich lieben gelernt und Gottfried möchte keine andere Nase mehr! Die Illustratorin hat viel aus dem wenig originellen Text herausgelesen und liebevoll-witzig Details dargestellt, die schmunzeln lassen. Die Odyssee der Nase hingegen folgt dem bewährten Läuterungspfad aller Wesen, die ihre Identität suchen und nach vielen Stationen schließlich mit sich selbst zufrieden sind. Ein Buch mit Illustrationen, in stimmiger Aufmachung für Leser/innen ab 8 Jahren, vielleicht auch als Klassenlektüre gut einsetzbar. Begeistern würde mich der Text in gekürzter Fassung, pointierter und auf den Punkt gebracht: Schade, die Welt ist um ein vermutlich wunderschönes Bilderbuch ärmer geblieben, um eine durchschnittlich-nette Geschichte reicher geworden.

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