Die Mammutmaus sieht wie ein Mammut aus von Peter Maiwald, 2006, hanserDie Mammutmaus sieht wie ein Mammut aus.
Kinderbuch von Peter Maiwald (2006, Hanser)
Besprechung von Andrea Wanner aus dem titel-magazin, 20.09.2006:

Tuschelnde, kuschelnde, nuschelnde Muscheln
Zwischen zwei dicke graue Kartons geklemmt warten allerlei Merkwürdigkeiten darauf, von neugierigen Kindern entdeckt zu werden – von Peter Maiwald kurios Gereimtes, das fremd und vertraut in einem ist.
 
Maiwald dichtet. Begonnen hat er damit vor vielen Jahren und mit engagierten Agitprop-Stücken, Gedichten und Liedern die Arbeiterschaft auf Trab zu bringen v ersucht. Dann fand er zurück zu eher traditionellen Formen, auf denen auch seine Gedichte für Kinder basieren. Sie reimen sich und sind meist in Strophen gegliedert. Leicht und heiter kommen sie daher und nehmen der Reihe nach merkwürdige Tiere, merkwürdige Kinder und merkwürdige Erwachsene genauer unter die Lupe. Die Begegnung zwischen einem Wurm und einer Ratte wird dadurch zur Besonderheit, dass es sich ausgerechnet um einen Bücherwurm und eine Leseratte handelt. Vielen Kindern wird das „Lob der Unsauberkeit“ sehr entgegenkommen. Statt ewig gepredigter Reinheit erfahren wir endlich von den Vorzügen, die ein großer Bogen um Wasser und Seife mit sich bringen können. Denn hätte der kleine Robert sich immer die Ohren gewaschen, wie es alle Eltern ihren Kindern raten, dann wäre er auch auf den miesen Rattenfänger von Hameln reingefallen und verschwunden. So hat er ihn und seine Flöte einfach nicht gehört. Und die Abteilung „merkwürdige Erwachsene“ beweist einmal mehr, das der Unterschied zwischen den Kleinen und den Großen gar nicht immer so riesig ist.

Maiwald dichtet für Kinder. Handwerklich sauber, mit kleinen Pointen, vielen Wiederholungen, gelungenen Überraschungen. Manchmal erinnern sie ein bisschen an Guggenmoos, manchmal an Ringelnatz oder an Kästner. Verspielt, heiter, kindlich – aber nie kindisch. Die Grafikdesignerin Hildegard Müller hat sie in eine mehr als ansprechende Form gebracht. Schlicht, mit genau jener Prise Witz und Originalität, die den texten nichts von ihrer Schau stiehlt sondern sie erst recht wunderbar zur Geltung bringen. Kleine typografische Gags unterstreichen den Wortwitz an den passenden Stellen. In einer Zeit, wo gereimte Bilderbücher Seltenheitswert haben und sich kaum noch einer traut, altmodisch zu dichten, tun sie gut, die kleinen Texte, die nicht viel Zeit zum Vorlesen brauchen, sich dafür umso schneller im Kopf festsetzen. Und die Erwachsenen kommen auch nicht zu kurz, wenn sie beispielsweise Anteil nehmen am Schicksal von Herrn Sisyphos, dem Steineroller, der vom Rollen einen Koller kriegt. Was wir von ihm lernen können? Er findet endlich den Ausweg aus der Tretmühle: „Schluss damit! Ich lass den Stein rollen nun von selbst allein.“ Das wunderbare Ergebnis: „Tats und sah den Stein wegrollen. Sprach: Das hätt ich früher sollen.“ Noch ist es nicht zu spät – für originelle Ratschläge, skurrile Gestalten und unerhörte Begebenheiten in Reimform.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter TitelMagazin]

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