Die Liebe meiner Mutter.
Roman von Peter Schneider (2013, Kiepenheuer & Wisch).
Besprechung von Roland Mischke aus der NRZ vom 02.08.2013:

Die zwei Lieben der Mutter - aufgedeckt in Briefen
Peter Schneider gräbt tief in der Vergangenheit

Peter Schneider, bekannt geworden durch seine Bücher "Lenz" oder "Der Mauerspringer", hat sich erst mit nunmehr 70 Jahren seiner Mutter zugewandt. Er hatte sie früh verloren, im Alter von acht Jahren, und es machte ihm gar nichts aus. Oder?

In einer klaren und analytischen Sprache deckt er sein verschüttetes Verhältnis zur Mutter auf. Sie ist es, die Pathos in die Geschichte bringt in ihren Briefen, die in den Text eingesprenkelt sind. Dort findet Schneider, der die Sütterlinschrift mit Hilfe einer Übersetzerin liest, eine Überraschung: Die Mutter von vier Kindern hat lange mit zwei Männern gelebt.

Sie war eine Zerrissene. Ihr Ehemann, Schneiders Vater Heinrich, ein Dirigent, und dessen bester Freund Andreas, ein Regisseur, arbeiteten 1940 beide an der Oper in Königsberg. Zwischen Andreas und der Mutter entsteht ein Liebesverhältnis. Das Unglaubliche: Heinrich toleriert es. Schneider glaubt heute, dass seine noch relativ junge Mutter an gebrochenem Herzen gestorben ist. Sie war ihrem Mut nicht gewachsen, der Einsamkeit, der Hoffnung.

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