Die Liebe, sagte Stradivari von Jürg Beeler, 2002, Haymon-VerlagDie Liebe, sagte Stradivari.
Roman von Jürg Beeler (2002, Haymon).
Besprechung von Beatrice Eichmann-Leutenegger in Neue Zürcher Zeitung vom 29.6.2002:

Geheimnis Lackrezept
Jürg Beelers «Die Liebe, sagte Stradivari»

Wenn der Himmel voller Geigen hängt, liegt dies nicht nur an der amourösen Verfassung gewisser Zuhörer, sondern oft auch am unvergleichlichen Klang des Instruments. Simon Hofbauer, Geigenbauer und Verehrer des Cremoneser Meisters Antonio Stradivari, weiss dies nur zu gut. Unermüdlich tüftelt er in seiner Werkstatt an Mixturen, prüft die Töne und Hölzer, aber Stradivaris Lackrezept, worauf schliesslich alles ankommt, wird ein Geheimnis bleiben - ebenso wie die Liebe, wie die Zeit und Emma Bovarys unergründliche Augen.

Auch die Cellistin Anne wird in ihrer verwirrenden Schönheit für Simon rätselhaft bleiben, nicht weniger als der Freund Paul, Musikwissenschafter und Ägyptologe, der an einem «Mammutwerk» über die Liebe arbeitet. Fassbar bleibt allein Simons Frau Marta, die Restauratorin, eine herzhafte Person, die durch ihre Schwangerschaft noch gelassener wirkt. In diesem künstlerisch-intellektuellen Milieu bewegt sich Jürg Beelers Quartett von Quasi-Wahlverwandten. Nun handelt aber Beelers Buch nicht nur von den Verstrickungen der Liebe, nicht nur vom Finden und Lösen, vom ewigen Zaudern und kurzen Verzweifeln, sondern auch von den Relationen zwischen Zeit und Raum, von der Musik, von Büchern und ihren betörenden Protagonistinnen, die auf den Knaben Simon gewirkt und seine Kindheit in der «Totengruft» eines früh verwitweten Vaters verzaubert haben. Hier aber geraten die zwar klugen, ja geistreichen Ausführungen oft etwas allzu lang.... Fortsetzung

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