Die Leuchttürme tun was sie können von Gregor Laschen, 2004, zu Klampen

Die Leuchttürme tun was sie können.
Gedichte von Gregor Laschen (2004, Zu Klampen, hrsg. von Heinz Kattner)
Besprechung von Michael Braun in
Die Rheinpfalz, 30.10.2004:

Am Rand der Welt, wo Land und Meer aufeinander treffen, bezieht dieser Dichter seinen Horchposten. Gregor Laschens Dichtung hat ihren Navigationspunkt schon immer in nördlichen Küstenregionen situiert, in denen die Leitmotive seiner Dichtung - der Sand, der Stein, das Meer - in ihrer ursprünglichen Kraft in Erscheinung treten. Schon von seinem biographischen Ursprung her ist dieser Dichter ja ein Küstengänger: Im Mai 1941 in Ueckermünde/Vorpommern geboren, und aufgewachsen in einer Ostseelandschaft mit viel Wald und endlosen Stränden, ist Laschen immer wieder zu den Fluchtlinien von Land und Meer zurück gekehrt. Als poetische Refugien dürfen daher die Leuchttürme gelten, die im lakonischen Titel seines neuen, insgesamt vierten Gedichtbands auftauchen. "Die Leuchttürme tun was sie können": Dieser Titel entstammt einer filigranen poetischen Montage, einem lyrischen Netzwerk aus Korrespondenzen, in dem der Autor die Leitmotive seiner Arbeit am Übersetzungs-Projekt "Poesie der Nachbarn" eingefangen hat. 15 Jahre lang hat Laschen als Ideengeber dieses Projekt im Künstlerhaus Edenkoben geleitet, bevor er es im vergangenen Jahr an seinen Dichterkollegen Hans Thill übergab. Der abschließende Zyklus seines neuen Gedichtbuchs bündelt nun noch einmal "das vielzüngige Rauschen" jener europäischen Poesielandschaften, die in dieses Projekt bislang eingebunden waren. ...

Was dieses neue Gedichtbuch Gregor Laschens so ergreifend macht, ist die emphatische Innigkeit, mit der dieser Autor an dem Wahrheitsanspruch einer sprachmagischen Dichtkunst festhält. Bei seinen lyrischen Zeitgenossen ist ja so vieles durch Ironie leichtfertig hinweg gewischt worden, was Laschens Vorbilder Paul Celan und Ernst Meister an lyrischer Evokation entfaltet hatten. Jetzt wird der Anschluss an die beste Tradition moderner Lyrik wieder hergestellt: mit bewegenden Gedichten, die von den existenziellen Zerreißproben jener Künstler handeln, die wie Laschen selbst "sich beleben im Streit mit dem Grund, den vaterländischen Gründen". Wenn Gregor Laschen am 4. November in Dresden mit der Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung ausgezeichnet wird, wird er wohl in einem seiner schönsten Gedichte zum Meer zurück kehren: "Auch hier, reine Figur, das/ rhythmische Ein-, das Ausatmen / einer großen Form: leg dich / zu ihr, in ihre dunkle / Gültigkeit, die dich freispricht / von deines Unglücks Strophen."

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.dierheinpfalz.de]

Leseprobe I Buchbestellung 0505 LYRIKwelt © Michael Braun