Die Leichtfertigen.
Roman von Philippe Djian (2011, Diogenes).
Besprechung von Ulrich Steinmetzger aus der NRZ vom 26.03.2011:

Wie ein Kater nach dem Rausch
Philippe Djian schreibt in seinem neuen Roman "Die Leichtfertigen" dem Sound von "Betty Blue" hinterher.

Das Altern von Popstars ist nicht selten ein peinlicher Vorgang, vor allem wenn sie an ihrem Sound festhalten. Philippe Djian (Jahrgang 49) hat Popliteratur geschrieben, als es diesen Terminus noch gar nicht gab. Vor 25 Jahren erschien als sein dritter Roman "Betty Blue", eine Erfolgsgeschichte begann, auch weil er sehr erfolgreich verfilmt wurde und Frankreich mit Béatrice Dalle ein neues Sexsymbol hatte. Seither schreibt Djian diesem Sound hinterher.

Immer schon ging in seinen Büchern vieles zu Bruch: Autos, Knochen, Flaschen und Beziehungen. Immer schon waren die schnellen Sätze mit denen dieser Textguerillero das skizzierte, alles andere als elegant. Immer schon las sich das wie im Rausch hingesagt. Der enue Roman aber scheint eher dem Kater danach entsprungen zu sein: Der Schriftsteller Francis ist um die 60, permanent überfordert. Deswegen wäre als Buchtitel "Der leicgt Fertige" vielleicht passender gewesen. Gar nicht so einfach nämlich ist es mehr für ihn, sein Lebensziel zu realisieren: nicht nur die Ohren steifhalten. Wie viele Djian-Protagonisten zählt Francis zu den Männern des gehobenen Mittelstandes, die schwer darum ringen, mit den sie überragenden Frauen Schritt zu halten.

Frauen verschwinden

Francis' Frau Judith ist nächtelang unterwegs. Das schürt sein Misstrauen, und dann ist auch noch Alice verschwunden, seine Tochter. Die ist nicht irgendjemand, sonder eine Schauspielerin, die im neuen James Bond spielt.

Es geht drunter und drüber wie in jedem Djian-Roman. Deswegen engagiert Francis die Privatdetektivin Anne-Marguerite, um Aufklärung in die Verwirrung zu bringen. Sie ist eine alte Bekannte, vielleicht hatten sie einst sogar Sex, aber wer weiß das schon noch genau nach all den Drogen der Hippiezeit? Ihr Auftrag, die Tochter zu finden, wird immer mehr durch den ersetzt, der Ehefrau nachzuspionieren. Die Rolle des gerade aus dem Gefängnis entlassenen Sohnes der Ermittlerin wird dabei immer dubioser. Das alles entwickelt sich zu einem undurchsichtigen Kommen und Gehen.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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