Die kleinen Gärten des Maestro Puccini von Helmut Krausser, 2008, DuMontDie kleinen Gärten des Maestro Puccini.
Roman von Helmut Krausser (2008, DuMont).
Besprechung von Marc-André Podgornik aus der NRZ vom 25.03.2008:

Leben und Lieben eines Weltstars

Helmut Krausser hat zum Puccini-Jahr die Liebschaften dieses Stars unter den Opernkomponisten erforscht. Giacomo Puccinis 150. Geburtstag wird im Dezember gefeiert und der 43-jährige Krausser widmet dem Jubilar "Die kleinen Gärten des Maestro Puccini" - 380 Seiten Aufarbeitung seiner wichtigsten Liebesaffären.

Ein Roman, der das ereignisreiche Leben des Meisters in drei Liebesaffären unterteilt. Ein bunter Reigen nicht nur für Puccini-Liebhaber. Das Leben des Maestro bietet eine Menge Stoff. Krausser hat verborgene Lebens- und Liebesumstände recherchiert und allerhand amüsantes zum Vorschein gebracht. Wissenslücken füllt er großzügig mit Erdachtem.

Die Patin der Madame Butterfly

Krausser verwebt seinen Handlungsstrang zwischen Kunst und Erfolg, Liebe und Leidenschaft, Eifersucht, Intrige und Hass. Er enthüllt nebenbei die bisher unbekannte Identität der Puccini-Geliebten Corinna und findet heraus, dass sie Patin der Madame Butterfly war: "Soll ich eine Oper über dich schreiben?", fragt Puccini sie. "Bin etwa ich die Butterfly?", wundert sich Corinna. Intrigen, Lügen, Bestechung und Hoffnung. Und das nur, weil die bald Verschmähte Giacomo nicht aufgeben will. Was folgt, ist eine medienträchtige Skandalgeschichte, die die Öffentlichkeit begierig verfolgt.

Eine zweite Skandalgeschichte entwickelt sich um die dem Maestro von seiner Frau unterstellte Beziehung zur Hausangestellten Doria Manfredi. Wegen dieser wird Gattin Elvira Puccini wegen Beleidigung und übler Nachrede sogar verurteilt. Sie hatte ihrem Mann (ausnahmsweise) zu Unrecht eine Affäre angedichtet - dabei trieb es der Maestro höchstens mit Dorias jüngerer Schwester. Zum Krimi wird diese Episode dadurch, dass die unschuldig Verleumdete schließlich vor der Verfolgung durch Giacomos aufgebrachte Gattin keinen anderen Ausweg mehr sieht, als sich zu vergiften. "Ich bin am Ende und verzweifelt, meine Lage ist rettungslos verloren. (...) Dies ist das Ende von allem", klagt der Maestro. Erst nach einer Autopsie ist Giacomos Unschuld bewiesen - Doria Manfredi war noch Jungfrau.

Der Frauenheld strauchelt, bis er einmal mehr zu seiner Frau zurückfindet. Nebenbei bleibt Puccini ein gefeierter Star mit Fans auf der ganzen Welt. Trotz eines nicht gerade vorteilhaften Äußeren und verrotteten Zähnen fliegen ihm die Frauenherzen zu - und er empfängt sie bereitwillig.
Neben all den amourösen Abenteuern erzählt Krausser ein bewegtes Stück Musik-Geschichte. Der Autor zeigt dabei nüchtern die Fakten auf, großes Ausschmücken ist nicht nötig - Puccinis Leben ist gelebter Filmstoff. Auf ihre Kosten kommen letztendlich Puccini-Fans und Freunde unterhaltsamer Lebensgeschichten.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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