Die Karte meiner Träume von Reif Larsen, 2009, S. FischerDie Karte meiner Träume.
Roman von Reif Larsen (2009, S. Fischer - Übertragung Manfred Allié).
Besprechung von Liliane Zuuring in der WAZ vom 6.11.2009:

Ein Buch über das Leben als Tortendiagramm
Der zwölfjährige Tecumseh Sparrow Spivet kartografiert sein Leben - der amerikanische Autor Reif Larsen hat mit "Die Karte meiner Träume" ein wunderbares Buch über das Erwachsenwerden geschrieben.

Tecumseh Sparrow Spivet hat sich der Kartografie verschrieben. Den Whiskykonsum seines Vaters, das Auge eines Ziegenbocks oder die Lage seines Zimmers in Montana – er setzt alles in Karten um. Ein ungewöhnliches Hobby für einen Zwölfjährigen, der im Zentrum von Reif Larsens ungewöhnlichem Roman „Die Karte meiner Träume" steht.

Güterzug-Schwarzfahrer

Das Buch macht schon beim Blättern verliebt. Nur zwei Drittel einer jeden Seite geben dem Text Raum, die Außenspalte bietet wundervolle Karten, Diagramme, Anmerkungen von T.S. Spivet.

Er wächst auf in Montana: Seine Mutter jagt als Wissenschaftlerin erfolglos einem Käfer hinterher, sein Vater ist ein wortkarger Rancher, seine Schwester Gracie schnell eingeschnappt und sein Bruder Layton gestorben bei einem Unfall mit einer Waffe. Doch darüber spricht niemand.

T.S. Spivet ist davon überzeugt, dass „Grafiken und Karten ein gutes Mittel" sind, „einen Menschen von all dem Aberglauben zu befreien, den er als Kind mit sich herumschleppt." Eines Augusttages erhält T.S. Spivet einen Anruf aus Washington, just als er in Diagrammen festhält, wie seine Schwester Mais putzt. Ihm soll ein Wissenschaftspreis verliehen werden. Er will den Preis annehmen, kann aber mit niemandem darüber reden – und springt in einer Nacht- und Nebelaktion als Schwarzfahrer auf einen Güterzug auf. Seine abenteuerliche Reise nach Washington beginnt.

Lachen, Schmunzeln, Mitempfinden

Wundervoll verwebt der nur 28-jährige Autor in seinem Debüt Spivets Geschichte mit der Biografie seiner Ururgroßoma Emma, die zu ihrer Zeit das Kunststück vollbrachte, als Frau Wissenschaftlerin zu werden. Manchmal mutet T.S. Spivet etwas altklug an, etwa wenn er von Newtons „Philosophiae Naturalis Principia Mathematica" redet. Dann wieder ist er kindlich naiv wie bei den Fragen zum Magnetresonanztomografen. Auf verblüffende Weise greift Larsen die vielen Fäden auf, bis ein fantastisches, gefühlvolles Buch über das Erwachsenwerden rund ist – zum Lachen, Schmunzeln, Mitempfinden.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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