Die jungen Leute von J. D. Salinger, 2015, PiperDie jungen Leute.
Prosa von J. D. Salinger (2015, Piper - Übertragung
Eike Schönfeld).
Besprechung von Britta Heidemann in der WAZ vom 2.2.2015:

Neues von J.D. Salinger
Aus dem Nachlass: Drei frühe Stories erscheinen erstmals auf Deutsch

Mit einem einzigen Roman gelangte er 1951 zu Weltruhm, veröffentlichte noch eine Handvoll Novellen und Kurzgeschichten – und dann bis zu seinem Tod im Jahr 2010 keine Zeile mehr: Den US-amerikanische Autor J.D. Salinger, dessen „Fänger im Roggen“ Jugendlichen weltweit aus der Seele sprach und sich 60 Millionen Mal verkaufte, darf man getrost als schreibendes Geheimnis bezeichnen. Über Jahrzehnte lebte er zurückgezogen in seinem Haus in Connecticut. Dass er dort weitere Romane verfasste, gilt als gesichert. Die Erben aber scheinen es mit „Sensationen“ nicht eilig zu haben.

Eine kleine gibt es doch. Drei frühe Kurzgeschichten sind erstmals auf Deutsch erschienen, sie wurden in den frühen 40er Jahren in einer Literaturzeitschrift veröffentlicht. In der titelgebenden Story „Die jungen Leute“ tummeln sich ebendiese bei einer Party, ein Mädchen und ein Junge verstricken sich in verschachtelten Dialogen, beiläufig entlarvt Salinger den Jungen als intellektuellen Aufschneider, das Mädchen als Lügnerin und Zigarettendiebin. Eine ebenso gerissene Frauenfigur begegnet uns in „Geh zu Eddie“; auch hier gipfelt die dialogreiche Handlung in einer überraschenden Wendung. Erst die dritte Geschichte lässt das literarische Genie ahnen, das sich im „Fänger“ entfalten soll. „Einmal in der Woche bringt dich nicht um“, veröffentlicht 1944, erzählt von einem jungen Ehemann, der zur Armee geht. Er hinterlässt eine „in Kursiven“ plappernde Frau („Wie grässlich, Süßer“) und eine verwirrte Tante, die ihm ein Empfehlungsschreiben gibt – an einen Offizier aus dem Ersten Weltkrieg.

Salinger selbst trat 1942 in die US-Armee ein, er nahm an der Invasion der Normandie teil, kämpfte in der Schlacht im Hürtgenwald. Und schwor sich, niemals über den Krieg zu schreiben. Womöglich aber ist der Krieg – als Auslassung, als Gegensatz zu den privaten Belanglosigkeiten des Lebens – in seinem Werk präsenter, als es auf den ersten Blick scheint. So lässt sich der weltberühmte „Fänger“ als Roman über die Trauer lesen: um jenen zu früh gestorbenen Bruder, mit dem Holden Caulfield noch immer spricht.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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