Die irische Geliebte.
Roman von Gabriel Loidolt (2005, Reclam).
Besprechung von Jdl in Neue Züricher Zeitung vom 10.9.2005:

Irischer Eros

Yamamoto Yamamoto gibt in seinem «Hagakure» dem Samurai die Weisheit mit auf den Weg: «Die höchste Liebe ist die geheime.» Weit ist es vom japanischen 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart von Graz, doch der österreichische Schriftsteller Gabriel Loidolt stellt Yamamotos Worte als Motto über einen Roman, dessen Inhalt sie aufs schärfste dementiert. Die geheime Liebe des Erzählers zu einer irischen Anglistin scheitert kläglich, und sie scheitert unter Klagen. Man lernt sich an der Universität nahe Dublin kennen. Noch ist es in Loidolts Roman «Die irische Geliebte» die Zeit unbedingter katholischer Moral. Scheidung ist nicht möglich, und die längst getrennt von ihrem Mann lebende, sommersprossige Irin ist für den österreichischen Gastdozenten nicht zu haben. Wo kulturelle Welten so heftig aufeinander prallen, kommt auch der Held des Romans zu Schaden. Sein Leben ist bei seiner Rückkehr nach Graz schon aus den Fugen geraten. Auch eine letzte Chance auf Erfüllung bleibt zwanzig Jahre später ungenutzt. Wenn Gabriel Loidolt die Geschichte einer unmöglichen Liebe über weite Strecken mit einem hohen Mass an Lakonie erzählt und die Verwicklungen mit ironischer Zielsicherheit begleitet, so ist das Ende des Buches leider nicht tragisch, sondern bloss melodramatisch. Der niedergeschriebene Roman des zum Schriftsteller mutierten Ich-Erzählers soll Zeugnis für seine Gefühle ablegen, erfährt man zuletzt. Es ist dann nur noch die trotzige Drohung eines Larmoyanten, bei der man dann doch nicht so gerne Zeuge ist.

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