Die Inszenierung.
Roman von Martin Walser (2013,
Rowohlt).
Besprechung von Jens Dirksen aus NRZ vom 31.8.2013:

Walsers Theaterroman "Die Inszenierung" ist Romantheater
Die Ehe zu dritt als Himmel auf Erden: Martin Walsers neues Buch „Die Inszenierung“ redet die eine Menage a trois herbei – nicht ganz so gekonnt wie Goethes „Wahlverwandtschaften“. Aber dafür ist es, anders als Goethes „Wilhelm Meister“, auch kein Theaterroman.

Seit Goethes „Wilhelm Meister“ sind in der deutschen Literatur nicht mehr allzu viel gelungene Theaterromane entstanden. Und auch Martin Walsers neuer Roman „Die Inszenierung“ ändert daran nichts. Was vor allem daran liegt, dass sich dieses Buch zwar um den berühmten Regisseur Augustus Baum dreht und fast ausschließlich in Dialogen geschrieben wurde – und doch kein Theaterroman ist. Eher ein Romantheater.

Es ist allemal ein Walserroman rund um einen Mann, der redet und redet und redet und das nur tut, um Verständnis zu erlangen dafür, dass ihm eine Frau nicht genug ist.

Seinen Affären mit diversen Regie-Assistentinnen im Dutzend folgt jetzt, nach einem Zusammenbruch bei den Proben zu Tschechows „Möwe“, eine weitere mit der Nachtschwester Ute-Marie – und doch hält Augustus Baum eisern fest an der Ehe mit seiner Frau, der Ärztin „Dr. Gerda“, mit er er seit 29 Jahren verheiratet ist.

Walserscher Wortwasserfall

Dieser Theater-August spricht im Walserschen Wortwasserfall vor sich hin, manchmal mit genialen Sätzen („Schweigen? Das ist das Paradies, aus dem wir vertrieben sind.“), manchmal mit völlig verschwurbeltem Unsinn („Offenbar werden wir durch und durch von einer Moral beherrscht, die wir zwar nicht anerkennen, die aber darüber entscheidet, was wir von uns selber halten müssen“).

Eigentlich sind weite Strecken des Romans ein Monolog, ab und zu greift Walser aus Sehnsucht nach einer anderen Stimme zu einem Mittel, das im Theater längst verpönt ist: Augustus liest Briefe eines Freundes, der nicht nur seine Frau, sondern auch einen Mann liebt und ähnlich wie Augustus von etwas träumt, was wiederum Goethe sehr viel besser in seinen „Wahlverwandtschaften“ beschrieben hat: eine Menage a trois, ein Leben zu dritt. „Die Inszenierung“ ist ein Buch für Gleichgesinnte. Bestenfalls.

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