1.)
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Die
Insel unter dem Meer.
Roman von Isabel Allende (2010,
Suhrkamp - Übertragung Svenja Becker).
Besprechung von Harald Loch in den Nürnberger
Nachrichten vom 10.08.2010:
Die Erzählung beginnt in der Karibik, auf Haiti, genauer dem
westlichen Teil dieser Insel Saint Domingue, als sie noch französische Kolonie
war, und endet in Louisiana und New Orleans, als dort die französische Zeit
schon vorüber war.
Dieser karibische Roman spielt in den Jahrzehnten vor und nach 1800, seinen
historischen Hintergrund bilden die Sklaverei und der Kampf um ihre Abschaffung
sowie die Rassentrennung und Rassenmischung, der Widerstreit zwischen Aufklärung
und dem Terror der weißen Herrenrasse. In diese Welt, in deren zeitlicher Mitte
die Französische Revolution liegt, montiert Isabel Allende mit bewährten Mitteln
einen spannenden Roman, in dem es um Liebe und Tod, Freiheit und Überleben, um
Voodoo und praktische Lebenstüchtigkeit geht.
Die Heldin des Romans ist die Mulattin Zarité, die ohne Eltern heranwächst und
schon im Kindesalter als Sklavin in das Eigentum des frisch aus Frankreich
eingewanderten Plantagenbesitzers Toulouse Valmorin übergeht. Zarité wird zur
unentbehrlichen Hüterin über die zahlreichen Haussklaven, zur Pflegerin der
gemütskranken spanischen Gattin des Herrn, zu dessen unfreiwilliger
Bettgenossin, zur Erzieherin von Kindern ungenauer Abstammung.
Während des blutigen Sklavenaufstandes auf Haiti rettet sie ihrem Herrn und
seinen Kindern das Leben, erhält dafür eine sich in Zukunft als fragwürdig
erweisende Urkunde über ihre und ihrer Tochter Freilassung und flieht zusammen
mit der Familie ihres Herren vor dem Aufstand der schwarzen Sklaven über Kuba
nach Louisiana. Dort geht ihr Kampf um ihre Freiheit weiter, dort kommen weitere
Kinder und Enkel zur Welt, zerrissene Familien finden wieder zusammen und
trennen sich erneut.
Aus diesem Material entsteht unter der Feder von Isabel Allende ein trotz aller
Brutalität unterhaltsames karibisch-kreolisches Epos. Die Autorin holt weit aus
in ihrer Erzählung und lässt den Fluss der Handlung immer wieder von kleineren
Passagen unterbrechen, in denen Zarité als Ich-Erzählerin zu Wort kommt. Der
Wechsel zwischen den Perspektiven schafft zusätzliche Abwechslung, an der es in
dem handlungs- und spannungsreichen Roman ohnehin nicht fehlt.
Das karibische Panorama ist farbenfroh ausgemalt, die Hauptpersonen des Romans
haben scharfe Konturen, der Handlungsverlauf bleibt bei aller Üppigkeit
übersichtlich. Der Leser liest die Widerlegung der Legende von der Überlegenheit
des „Weißen Mannes“ und muss angesichts seiner Brutalität und ethischen
Resistenz geradezu verzweifeln. Am kreolischen Lebensgenie einer Zarité kann er
sich den ganzen Roman über wieder aufrichten. Die Autorin ist nicht für ihre
stilistische Feinheit oder literarische Raffinesse berühmt. Ihr gelingen
vielmehr Bücher zum Verschlingen, sie hinterlassen keinen schalen Nachgeschmack,
sondern verlangen alle zwei Jahre Nachschub der gleichen Art. In diesem Sommer
geht es also nach Haiti und von dort nach New Orleans. Die „Insel unter dem
Meer“ ist den „glücklichen“ Sklaven vorbehalten, die nicht mehr leben müssen.
Die vollständige
Besprechung mit Abb. von Harald Loch finden Sie unter
Nürnberger
Nachrichten
[...diese und weitere
Besprechungen finden Sie unter
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Leseprobe I Buchbestellung 0810 LYRIKwelt - das LiteraturPortal im Internet! © Nürnberger Nachrichten
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2.)
Die
Insel unter dem Meer.
Roman von Isabel Allende (2010,
Suhrkamp - Übertragung Svenja Becker).
Besprechung von Ursula März im Deutschlandradio vom
25.08.2010:
Von ihrem Welterfolg, dem 1982 erschienenen Roman "Das
Geisterhaus", verkaufte die chilenische Schriftstellerin Isabel Allende 40
Millionen Exemplare. Seitdem ist sie eine der produktivsten und
diszipliniertesten Autorinnen des internationalen Buchmarkts.
Im Gartenhaus ihres kalifornischen Anwesens, wo sie seit den späten 80er-Jahren
mit ihrem amerikanischen Ehemann lebt, verfasste sie 16 Bücher. Viele davon
erzählen Geschichten ihrer chilenischen Familiendynastie, viele Geschichten
ihrer heutigen Familie, ihres Sohnes, ihrer Schwiegertochter, ihrer Mutter,
ihrer verstorbenen Tochter Paula und sogar ihrer Hausangestellten. Immer wieder
kommt es im Hause Allende zu Familienkonferenzen, bei denen sich einzelne
Teilnehmer beschweren, vor den Augen der Weltöffentlichkeit so intim dargestellt
zu werden.
Aber Isabel Allende hat auch eine Reihe historischer Romane verfasst, "Zorro"
aus dem Jahr 2005 über den gleichnamigen Abenteurer, oder den 2006 erschienenen
Roman "Ines meines Herzens" über die Chile-Eroberin Ines Suarez. Auch in diesen
Büchern stellt Isabel Allende eine intime, gleichsam familiäre Nähe zwischen dem
Leser und seinen Figuren her, eine Nähe, die den historischen Abstand fast
vergessen lässt.
Wie in fast allen ihren historischen Romanen geht es in ihrem neuesten mit dem
deutschen Titel "Die Insel unter dem Meer" um ein Kapitel aus der
Befreiungsgeschichte der Menschheit: um den erfolgreichen Sklavenaufstand auf
dem heutigen Haiti im Jahr 1793. Und es geht, wie oft bei Isabel Allende, um
eine äußerst willensstarke Frau, um die Mulattin Zarite, die als Sklavin geboren
und im Alter von neun Jahren an einen Plantagenbesitzer verkauft wird, der in
dem Teil Haitis lebt, der im 18. Jahrhundert von der französischen Kolonialmacht
beherrscht wurde.
"Die Insel unter dem Meer" erzählt Zarites Leben über vier Jahrzehnte hinweg.
Von der Grausamkeit, als ihr ein Neugeborenes für immer weggenommen wird, das
sie im Mädchenalter von ihrem Besitzer Toulouse Valmorain bekommt, über den
paradoxen Umstand, dass ausgerechnet sie während der Sklavenaufstände zur
Retterin Valmorains wird, bis zu ihrer Flucht nach Kuba und weiter nach New
Orleans, wo die Biografie der ehemaligen Sklavin in ein Leben als freier Mensch
mündet.
"Die Insel unter dem Meer" ist von großer historischer Detailkenntnis, die
Kulisse der Geschichte ist hervorragend recherchiert - zugleich bietet Isabel
Allende alles, was von einem historischen Schmöker zu erwarten ist: unglückliche
Liebesleidenschaften, mitleiderregende Kinderschicksale, hartherzige
Patriarchen, packende Kampfszenen, schwere Krankheiten, gestörte Frauenseelen,
begehrte Prostituierte, sowohl Sex als auch Crime. Und so ist das Buch
karibischer Geschichtsroman, Frauenroman und folkloristische Kolportage in
einem. Es balanciert auf der Mittellinie zwischen U und E, zwischen
Unterhaltungsliteratur und ernster Literatur und ist damit ein Paradebeispiel
für die Gartenhausproduktion der Weltbestseller-Autorin Isabel Allende.
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3.)
Die
Insel unter dem Meer.
Roman von Isabel Allende (2010,
Suhrkamp - Übertragung Svenja Becker).
Besprechung von Emmanuel van Stein in der WAZ
vom 26.8.2010:
Isabel Allende berührt wieder einmal die Herzen der Leser. In ihrem neuen Roman „Die Insel unter dem Meer“ setzt die Großnichte des früheren chilenischen Präsidenten Salvador Allende dem geschundenen Haiti ein ergreifendes literarisches Denkmal. Mitreißend erzählt sie die blutige Geschichte der Sklavenaufstände auf dem einst Saint-Domingue genannten Westteil der Karibikinsel. Dabei erweckt sie authentisch wirkende Figuren zum Leben, die man so schnell nicht vergisst:
1770 kauft der junge französische Zuckerrohrplantagenbesitzer Toulouse Valmorain das Mulatten-Kind Teté als Dienstmagd für seine gemütskranke spanische Ehefrau. Teté erinnert sich dreißig Jahre später: „Mein neuer Herr lächelte, und als wir gingen, ließ er einen Beutel da. Ich habe nie erfahren, wie viel er für mich bezahlt hat. Draußen wartete ein Mann mit zwei Pferden, der musterte mich von oben bis unten, sagte, ich solle den Mund aufmachen, und besah sich meine Zähne.“
Wie Teté von Valmorain vergewaltigt wird und der Franzose ihr gemeinsames Kind verschachert, wie die geknechteten Sklaven sich auflehnen und Teté mit ihrem „Herrn“ über Kuba nach New Orleans flieht, wo sie die lang ersehnte Freiheit erwartet, die sich gleichwohl als Trugschluss erweist – all dies beschreibt Allende ebenso packend wie die erbarmungslosen Gefechte des Freiheitshelden Toussaint Louverture. Bis zur letzten Zeile leidet man mit Teté und ihrer Tochter Rosette. Man erfreut sich an der Lebenslust der Kurtisane Violette, an der Klugheit der Priesterin Rose und des weißen Doktors Parmentier, der die schwarze Heilerin bewundert. Wie ein karibischer Wirbelsturm blättert der Roman eine dramatische Geschichte auf.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]
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