Die Haischwimmerin von Heinrich Steinfest, 2011, PiperDie Haischwimmerin.
Roman von Heinrich Steinfest, (2011, Piper).
Besprechung von Peter Pisa im Kurier, Wien, 21.10.20101:

Heinrich Steinfest - "Die Haischwimmerin"

1. Ein Ohr, das atmen kann, liegt in einer schwarz lackierten Holzschatulle und ist unsichtbar. Spritzt man etwas Wasser drauf, kann man es für kurze Zeit sehen.

2. Die Schatulle ist in der exzentrischen Dahurischen Lärche Nr. 4.820 versteckt, welche in der russischen Verbrecherrepublik "Toad's Bread" wächst.

3. "Toad's Bread" liegt in einer mehrspurigen Röhre, die beim Dschugdschur-Gebirge unter die Erde führt. Interessanterweise gibt es dort keine Pizzerias.

So. Jetzt weiß man, worauf man sich bei "Die Haischwimmerin" einlässt. Fans von Heinrich Steinfest - geboren 1961 in Australien, aufgewachsen in Wien, wohnhaft in Stuttgart - wissen das längst. Aber es gibt ja noch ein paar andere Leser, die der irrigen Ansicht sind, ein Krimi ist ein Krimi ist ein Krimi ist ein Krimi.

Steinfest ist sich voll bewusst, dass das neue Buch wieder verrückt geworden ist. Er schreibt: Was an den Börsen geschieht, ist ebenfalls nicht zu glauben; trotzdem geschieht es.

"Die Haischwimmerin" bringt eine alte Bekannte aus einem früheren Roman zurück: Lilli Steinbeck, die schöne, elegante Polizistin mit der zertrümmerten Nase. Hauptfigur ist allerdings ihr alter Freund Ivo, der sich mit Bäumen unterhalten kann.
Er soll die sibirische Lärche überreden, zu einem Pharmakonzern nach Bremen zu übersiedeln. Angeblich sind die Zapfen so gesund. Bremen? Der Baum ist ja nicht deppert!

Steinfest verteilt Geschichten und Bilder und unvergessliche Typen. Manchmal ist er zu großzügig. Und einmal, in der Mitte, rastet sich der Autor aus. Da ist wenig los.
Das hat den Vorteil, dass man nachdenken kann, worüber er philosophiert hat: Dass jeder Mensch zwei Mal stirbt. Dass der erste Tod, wenn man von einer absoluten und schmerzhaften Erkenntnis ereilt wird, wie ein Pfeil in die Brust schießt. Und dass man sich nachher drehen und wenden kann wie man will (und sogar zum Therapeuten gehen): Der Pfeil bleibt.

KURIER-Wertung: **** von *****

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