Die gute alte Zeit von Günter Brus, 2002, Jung und JungDie gute alte Zeit.
Selbstbiografie von Günter Brus (2002, Jung und Jung).
Besprechung von Hans Putzer aus Rezensionen-online *Sz*, 2/2002:

erinnerungen

Natürlich steht am Beginn die Frage: Haben wir es bei Brus, Jahrgang 1938, mit einer der seltenen Doppelbegabungen von bildendem Künstler und Literaten zu tun?

Ersteres ist unbestritten, auch wenn Brus zugleich Zeit seines Lebens zu den Umstrittensten seiner Zunft gehört hat. Als Aktionist aus der Gruppe um Mühl, Nitsch und Schwarzkogler hat er in den 60er Jahren wahrscheinlich Österreichs international wichtigsten Beitrag zu jener Bewegung geleistet, die heute unscharf, mystifizierend und manchmal auch bereits kameradschaftbündlerisch als die 68er bezeichnet wird.

Der vorliegende Erinnerungsband ist nicht Brus' erster literarischer Text. Der erste Teil schildert seine Kindheit in der Steiermark der Nachkriegszeit. Unprätentiös erzählt Brus vielerlei von Fußballkantersiegen, Liebeskummer oder Kernstockleserinnen.

Mit deutlich mehr Verve wird dann in der zweiten Buchhälfte vom Werden des Künstlers und seinen Erfahrungen mit dem akademischen Kunstbetrieb berichtet, wobei Brus hier wiederholt auf die Unaussagbarkeit dieser Erfahrungen stößt. Das allein ist allerdings noch kein Grund, um an der literarischen Kompetenz des Autors zu zweifeln.

Dennoch: Diese Buch kann die eingangs gestellte Frage letztlich nicht beantworten. Wozu auch? Literarizität war bei Künstlerautobiographien noch nie das primäre Lesemotiv. Und interessant zu lesen ist "Die gute alte Zeit" allemal.

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