Die Gesellschaft der Anderen von William Nicholson, 2006, EichbornDie Gesellschaft der Anderen.
Roman von William Nicholson (2006, Eichborn - Übertragung Bernhard Robben).
Besprechung von Fitzgerald Kusz aus den Nürnberger Nachrichten vom 15.07.2006:

Anhalter auf Pilgerreise
William Nicholsons „Die Gesellschaft der Anderen“

Drehbuchautoren erscheinen meist nur im Abspann. Man kennt sie nicht, es sei denn, sie werden für den Oscar nominiert. Und deshalb träumen sie alle vom großen Roman, der sie aus der Anonymität erlöst. Der 1948 in England geborene William Nicholson hat viele erfolgreiche Drehbücher verfasst: darunter „Shadowlands“ mit Anthony Hopkins und „Gladiator“ mit Russell Crowe. Seine Kinderbuchserie „Der Windsänger“ heimste viele Preise ein. Damit wollte er sich aber nicht zufrieden geben und hat sich nun den großen Traum vom seriösen Roman verwirklicht. Herausgekommen ist ein hoch ambitionierter Genre-Mix: „Die Gesellschaft der Anderen“, eine unausgegorene Mischung aus Bildungs-, Spionage-, Parabel-, Reise- und Entwicklungs-Roman.

Nicholson hat alle nur erdenklichen Fehler, die er bei seinen Drehbüchern vermeiden musste, in seinem Debüt gemacht. Nicht das Erzählen von Geschichten interessiert ihn, sondern die Vermittlung von philosophischen, theologischen, ja sogar esoterischen Botschaften. Das konnte nur schief gehen.

Worum geht´s? Ein von Langeweile angekränkelter No-Future-Jüngling ohne Namen landet auf einer Trampfahrt in einer imaginären, von der Außenwelt abgeschotteten Ostblock-Diktatur. Unterwegs muss er die Erörterungen des Lastwagenfahrers über sich ergehen lassen, der einen Fernkurs in Philosophie belegt hat. Als der Fernfahrer die Grenzkontrolle des Ostblocklands durchbrechen will, wird er von den Grenzern gefoltert und erschossen. Es stellt sich heraus, dass er eine Fuhre mit verbotenen Exemplaren des Buches „Die Gesellschaft der Anderen“ des Dissidenten Vicino transportiert hat. Die Bücher werden verbrannt. Eines kann der Roman-Held aus den Flammen retten.

Am Schluss steht der geläuterte Held vor dem armen Leser. Er weiß nun: Wir alle sind Gott. Nach 258 Seiten ist alles vorbei und der Held kehrt in die Heimat zurück.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter Nürnberger Nachrichten]

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