Die Gedächtniskünstler von Jeffrey Moore, 2006, EichbornDie Gedächtniskünstler.
Roman von Jeffrey Moore (2007, Eichborn, Übertragung Klaus Modick).
Besprechung von Walter Gallasch aus den Nürnberger Nachrichten vom 27.04.2007:

Puzzlespiel der Eitelkeiten
Jeffrey Moores neuer Roman «Die Gedächtniskünstler»

Labyrinth, Scrabble- und Puzzlespiel: Der Roman «Die Gedächtniskünstler» des Kanadiers Jeffrey Moore ist alles in einem. Die Besatzung dieses «Narrenschiffes», das von Nirgendwo nach Nirgendwo fährt, besteht aus fünf Hauptpersonen, die in Montreal kurz nach der letzten Jahrtausendwende leben.

Um es dem Leser nicht zu leicht zu machen, hat der Autor die Sache kompliziert. Der umstrittene Gedächtnisforscher Dr. Vorta als fiktiver Herausgeber dieser «Dokumentation» schlägt uns einen Pfad durch das Gestrüpp der Handlung, indem er Zeitungsberichte und Auszüge aus Tagebüchern der Romangestalten zitiert und überhaupt alles weiß. Ein gelehrter Mann kommt nicht ohne Anhang aus, und so finden sich auf über 20 Seiten Erklärungen und Einschübe, die das Vorhergesagte stützen, relativieren oder widerlegen. Danach kann die Geschichte starten.

Wir haben einen jungen Mann namens Noel, schüchtern und aufopferungsvoll, was die Pflege seiner an Alzheimer erkrankten Mutter betrifft: Er ist Synästhet. (Duden: Synästhesie ist die Miterregung eines Sinnesorgans bei Reizung eines anderen.) Was bedeutet, dass Noel beispielsweise beim Wort «Trauerspiel» eine Farbe sieht, sagen wir: indigo; zugleich fallen ihm alle Zitate ein, in denen das Wort vorkommt; außerdem behält er alles im Gedächtnis, was er je wahrgenommen hat, etwa 30 Jahre lang.

Norval ist der zweite Student, ein Schönling, dekadent und überaus intelligent. Er eifert Lord Byron nach, liebt schmachtende Lyrik und vernascht Frauen nach dem Alphabet ihrer Vornamen; dieses System nennt er Alpha-Bett. Zu Buchbeginn ist er bei R, doch über S kommt er nicht hinaus, denn Samira kann sich nicht entscheiden zwischen Noel, Norval und JJ, der exaltiertesten Person der Gruppe.

Ihre Marotten haben sie alle. Der Zyniker Norval hat in seiner Wohnung eine Treppe, die zwei Meter unter der Decke endet, Noel kann auf Anhieb die Namen von 44 Menschen nennen, die Dichter und Mediziner zugleich waren. JJ und Samira tauchen auf und verschwinden wie Schimären, nicht ohne das Haus in Brand gesetzt (JJ) oder zärtliche Regungen erweckt zu haben (Samira).

Die vollständige Besprechung von Walter Gallasch finden Sie unter Nürnberger Nachrichten

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