Die fünfte Jahreszeit.
Gedichte von Fulvio Tomizza (
1997, Zsolnay/2005, dtv - Übertragung Maria Fehringer).
Besprechung von Elisabeth Zehetmayer aus Rezensionen-online *bn*, 2011:

Minutiöse, fast irreale Darstellung des Krieges aus der Perspektive eines Kindes. (DR)

Auch dieser istrische Roman Fulvio Tomizzas ist im bäuerlichen Milieu angesiedelt. Tomizza selbst sagte 1988 in einem Interview: "Die einzige Welt, die ich von Grund auf kenne, ist die bäuerliche." Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in einem kleinen Dorf in Istrien: Noch nimmt das Alltagsleben seinen Lauf, der Krieg scheint in weiter Ferne. Die Erwachsenen reden vom Krieg während die Kinder ihn spielen. Stefano, der junge Protagonist, verfolgt das Geschehen mit gemischten Gefühlen. Einerseits bringt der Krieg etwas Abwechslung und Spannung, andererseits merkt Stefano, daß er der Situation nicht gewachsen ist. Ausgehungerte Soldaten kommen ins Dorf, Bauern fliehen mit Sack und Pack, aus Rebellen werden Partisanen, aus Faschisten plötzlich Kommunisten. Die ungewisse Situation des Kindes spiegelt das Drama der Erwachsenen: Menschen stehen plötzlich zwischen zwei Kulturen, zwei Welten, zwei Sprachen. Als der Krieg immer näherrückt, sucht jeder seine Haut zu retten. Sie bleiben nur Zaungäste des Geschehens, das sie nicht begreifen. Als der Krieg endet, ist auch Stefanos Kindheit vorbei. - An diesem Roman fasziniert einerseits die Farbigkeit und Unmittelbarkeit, mit der Tomizza seine Heimat schildert, andererseits aber auch die distanzierte Menschlichkeit, mit der er die Charaktere und Geschehnisse darstellt. Er betreibt keine Schwarz-Weiß-Malerei oder sentimentale Erinnerungsduselei, womit er dem Roman eine das Lokale und zeitgeschichtliche übersteigende Geltung verleiht. - Allen Bibliotheken sehr zu empfehlen.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter WOZ Die Literaturdatenbank des Österreichischen BibliotheksWerks - Medium]

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