Die Frau und der Affe von Peter Höeg, 1999,Rowohlt1.) - 2.)

Die Frau und der Affe.
Roman von Peter Hoeg (1997, Hanser - Übertragung Monika Wesemann).
Besprechung von Thomas Liehr, Homepage tomliehr
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Der mäßige Titel läßt nichts Gutes erahnen, aber als jemand, der den Hype um "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" nie verstanden hat, war ich auf alles gefaßt. Sprachlich bietet Hoeg eine etwas klinisch anmutende Mischung aus Kundera, Rosendorfer und Klaus Mann, grob gesagt. Erzählerisch fühlt man sich an den Anfang des vergangenen (zwanzigsten!) Jahrhhunderts versetzt, und die etwas muffige Atmosphäre, in der aktuelle Bezüge gleichsam verloren anmuten, wirkt träge und bemüht.

Die Dänin Marlene hat in die englische Aristokratie eingeheiratet, ihr Mann ist ein hohes "Tier" in der britischen Zoologie, designierter Chef des neuen Londoner Großzoos. Er kommt in den Besitz eines geschmuggelten Menschenaffen, den er im Gartenhaus des Besitzes zu erforschen versucht, während die Gattin, aus Spaß und Langeweile Alkoholikerin, heimlich eine Beziehung zu dem Tier anknüpft - zu dem Tier, das sich als so hochentwickelt erweist, daß es später im Buch kurzerhand dänisch und englisch akzentfrei sprechen lernt, mit der Protagonistin ausbüxt und in einem Wald dem Begriff "freie Liebe" eine ganz neue Ausprägung verleiht.

Irgendwie soll es in diesem Buch um Artenschutz, das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren, den Tierbegriff im allgemeinen, Verständnis, Respekt, Politik, Macht und dergleichen gehen. Zu viel des Guten, wie sich unschwer erahnen läßt, und das auch noch zu schlecht erzählt; aufgesetzt, spröde, konstruiert, seltsam flach, bürstet Hoeg mit seiner Erzählweise sogar den wenigen Höhepunkten einen Scheitel. Dabei bleiben insbesondere die Wandlungen der Protagonstin auf der Strecke, die sich vom Alkoholismus löst, um fortan der Sodomie zu frönen, die sich von ihrem Gatten trennt, was schwer nachvollziehbar ist, da auch Gründe für die Heirat eigentlich nirgendwo zu finden sind.

Bleibt die Erkenntnis: Wer einmal Erfolg mit einem Buch hatte, darf davon lange zehren. Da hilft es auch nicht, im Rubrum dick zu unterstreichen, daß ein Teil der Verkaufserlöse irgendwelchen Naturschutzorganisationen zugute kommen soll: Die unerwartet geleistete Hilfe bekommt dadurch nur einen faden Beigeschmack, nämlich den, der sich beim Lesen eingestellt hat. Die nächsten sechzehnneunzig gehen doch lieber direkt an den WWF.

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Die Frau und der Affe von Peter Höeg, 1999,Rowohlt2.)

Die Frau und der Affe.
Roman von Peter Hoeg (1997, Hanser - Übertragung Monika Wesemann).
Besprechung Christiane Schnalzer aus Rezensionen-online *bn*:

Grenzüberschreitende Liebesgeschichte und zivilisationskritischer Zukunftsthriller des dänischen Erfolgsautors. (DR)

Adam hat vom Baum der Erkenntnis gegessen und wurde aus dem Paradies vertrieben. Gibt es einen Weg zurück? In Peter Hoegs literarischer Auseinandersetzung mit dieser weiß Gott nicht neuen Frage tritt eine Frau die Reise zurück in den paradiesischen Urzustand der Unschuld an: Madelene, Ehefrau des prominenten Verhaltensforschers Adam (!) Burden, angepaßter Angehöriger der Londoner Oberschicht, erträgt die Leere ihres entfremdeten Lebens nur mehr mit Hilfe von Alkohol. Die Begegnung mit einem hochintelligenten Menschenaffen unbekannter Spezies - von Adam zum Zweck wissenschaftlicher Experimente im privaten Gartenhaus untergebracht - bedeutet für sie den ersten Schritt heraus aus "ihrem selbstgewählten Absturz". In einem symbolischen Akt - der Affe Erasmus reicht ihr einen Pfirsich, sie ißt davon - widerruft sie gleichsam den Sündenfall, nimmt Abschied von der Zivilisation und begibt sich gemeinsam mit dem Tier auf eine abenteuerliche Flucht, die nach sieben Tagen und sieben Nächten in einem "pornographischen Paradiesgarten" im Norden Englands endet. Sieben Wochen im Paradies - Erasmus lehrt Madelene die Liebe, sie lehrt ihn die Sprache - führen schließlich zur Erkenntnis, daß der paradiesische Zustand kein Dauerzustand sein kann und der Weg unweigerlich zurück in die Wildnis der Zivilisation führen muß. Der Countdown kann beginnen. - Peter Hoeg, seit "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" (bn 3-4/94) shooting star der anspruchsvollen Unterhaltungsliteratur, hat sich mit seinem Nachfolgewerk viel vorgenommen. Grenzüberschreitende Liebesgeschichte, philosophischer Thriller, zivilisationskritische Utopie - all das soll der Roman einlösen und scheitert mit zunehmendem Fortschreiten der Geschichte an den eigenen Vorgaben. Die Liebesgeschichte gerät zum Klischee, philosophische Erkenntnisse gipfeln in der Anhäufung von Platitüden, die Utopie baut auf einer naiven Welterklärungstheorie auf - und die Hoegsche Sprache produziert in einem fort angestrengt-poetische Metaphern und weltkluge Gemeinplätze. Weniger wäre in diesem Fall mehr - nämlich ein durchaus spannender Thriller - gewesen. Als solcher dennoch jeder Bibliothek zu empfehlen.

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