Die Frau in der Streichholzschachtel von Nicki Pawlow, 2007, DittrichDie Frau in der Streichholzschachtel.
Roman von Nicki Pawlow (2007, Dittrich).
Besprechung von Tanja Langer für Amazon.de, 14.01.2008:

kleine schachtel, großer inhalt

die geschichte spielt 1990 in berlin. die stadt steht unter mauerfallschock. franziska ist mitte zwanzig und mitten drin. sie arbeitet als pressesprecherin bei der treuhand. keine normalen büros, mobiltelefone wie riesenknochen, kaum leitungen, keine faxe, keine pcs, dafür abwicklungsdramen en masse. franziska kommt selbst aus der ddr, ist mit ihren eltern als teenager geflohen und in schwaben nie heimisch geworden. sie kämpft um etwas nie gekanntes, verlorenes stück leben. und um ihr idol, den "top-journalisten" wolfgang kiefer, der im westfernsehen über die ddr berichtete und im osten verehrt wurde. weil er die wahrheit sagte. die wahrheit aber hat er längst versoffen, als franziska sich in ihn verliebt. sie ist halb so alt wie er und braucht einige zeit zu begreifen, was mit dem typ los ist. und das beschreibt nicki pawlow wunderbar. vollkommen antiheldisch, extrem ehrlich, furztrocken und manchmal komisch, ohne ihre figuren jemals zu verraten. im gegenteil, sie nimmt den ganzen schlamassel so ernst wie er erlebt wird. sie packt lebensläufe und -bedingungen in ihren debütroman, und obwohl ihr expliziter literarischer bezugspunkt erich loest ist, erinnert ihre direkte, genaue schreibe, die sich etwas existenzielles vornimmt, oft an christoph hein. obwohl die autorin schon so lange im westen lebt, greift sie eine gute alte ddr-tradition gekonnten, realistischen schreibens auf. ein schönes buch, spannend und vielschichtig.

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