Die Frau im Spiegel von Eric-Emmanuel Schmitt, 2012, S. FischerDie Frau im Spiegel.
Roman von Eric-Emmanuel Schmitt, (2012, S. Fischer - Übertragung Marlene Frucht).
Besprechung von Jasmin Surm im Kurier, Wien, 14.9.2012:

"Ich glaube, ich bin anders ... "
So beginnt "Die Frau im Spiegel", ein 431 Seiten dickes historisches Porträt dreier junger Frauen, die trotz oder vielleicht gerade aufgrund der unterschiedlichen Epochen, in denen sie leben, ein gemeinsames Schicksal vereint.

In jedem Kapitel versteht es der Franzose Schmitt aufs Neue, spannend einen Lebensabschnitt zu erzählen und die Frauen über Jahrhunderte hinweg zu vernetzen.
Dass sie anders sind, das verbindet die Romanfiguren. Anders sein – ist das positiv? Kann man, will man es sich leisten, den gesellschaftlichen Normen zu trotzen? Was ist der Preis?
Schmitt, der in Philosophie promoviert hat, präsentiert seine Sichtweise auf das Phänomen des Andersseins in seiner bekannt einfachen und einfühlsamen Art.
Anna von Brügge lebt in der Zeit der Renaissance. Aufgrund ihrer bewussten Entscheidung gegen eine Ehe und ihre Ansichten über die Natur und Gott steht die Kirche mit ihr auf Kriegsfuß. Sie wird auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Hanna lebt im Wien der Jahrhundertwende. Auch sie entscheidet sich gegen die Ehe und lässt sich scheiden. Kurz vor ihrem Tod entdeckt sie ihre Leidenschaft für Gedichte der Flämin Anna von Brügge.

Anny, die dritte hier und jetzt, ist eine bekannte Filmschauspielerin, deren Leben nur aus Alkohol, Drogen und Liebhabern besteht. Fixe Bindungen unmöglich. Beim nächsten Filmangebot sagt sie begeistert zu: Sie wird die Hauptrolle spielen ... in einem Porträt über die junge Anna von Brügge.

So kommen die jungen Frauen zusammen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Die jedoch das Wesentliche gemeinsam haben: das Bewusstsein, dass sie ihrer Zeit weit voraus sind und dass sie sich auf der Suche nach sich selbst befinden.

KURIER-Wertung: **** von *****

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.kurier.at]

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