Die Frau, die ins Innerste der Welt tauchte von Sabina Berman, 2011, S. FischerDie Frau, die ins Innerste der Welt tauchte.
Roman von Sabina Berman,
(2011, S. Fischer - Übertragung Angelica Ammar).
Besprechung von Deborah Löffler in den Nürnberger Nachrichten vom 16.08.2012:

Therapie im Taucheranzug
"Die Frau, die ins Innerste der Welt tauchte"

Karen ist ein wildes, verwahrlostes Mädchen, sie kann sich nur mittels Grunzlauten artikulieren. Bis ihre Tante Isabelle in dem kleinen mexikanischen Nest auftaucht, in dem ihre Mutter sie ganz allein zurückgelassen hat.

Behutsam nimmt Isabella sich der Kleinen an. Sie bringt ihr das Sprechen bei. Und was es heißt, „Ich“ zu sagen und „Ich“ zu sein. Denn Karen ist Autistin, in manchen Bereichen hochbegabt, in anderen hoffnungslos überfordert. Gemeinsam mit ihrer Tante macht sie sich daran, die heruntergekommene Thunfischfabrik wieder aufzubauen. Diese durchlebt Höhen und Tiefen, ebenso wie Karen auf der Suche nach sich selbst. Nur im Taucheranzug fühlt sie sich wohl, egal ob zu Lande oder im Wasser. Tauchend erforscht Karen die Welt der Tunfische und beschert nicht nur den Menschen in ihrer Umgebung einen ganz neuen Blick auf die Tiere und die Zusammenhänge der Welt.

„Die Frau, die ins Innerste der Welt taucht“, ist der spannende Entwicklungsroman einer besonderen Persönlichkeit. Der Roman ist aus Karens Sicht erzählt, die eine Art Tagebuch führt. So wird der Leser ganz dicht an die Protagonistin herangelassen.

Autismus ist eine mit vielen Vorurteilen behaftete Krankheit und wird oft als Behinderung verstanden. Im Roman werden die negativen Seiten nicht ausgeklammert. Dennoch ist Sabina Berman eine erfrischende und oft witzige Annäherung an ein schwieriges Themagelungen. Stellenweise erinnert der Roman an „Supergute Tage“ von Mark Haddon: eine fiktive Geschichte, die aus der Sicht eines am Asperger-Syndrom erkrankten Jungen erzählt wird.

Absurde Ereignisse reihen sich aneinander und ziehen sich bis in Karens Erwachsenenalter hinein. Doch trotz all der sich ihr stellenden Hindernisse: Bermans Roman macht deutlich, dass Autismus nichts ist, womit es sich nicht wunderbar leben ließe.

Die komplette Rezension mit Abb. finden Sie unter Nürnberger Nachrichten

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