Die Farben der Insel von Kristín Marja Baldursdóttir, 2009, KrügerDie Farben der Insel.
Roman von Kristín Marja Baldursdóttir (2009, Krüger -
Übertragung von Coletta Bürling).
Besprechung von Marc Peschke in der WAZ,
März 2010:

Farbenreich und poetisch: Ein Roman aus Island

Schon in ihrem Roman "Die Eismalerin" schildert die in Reykjavik lebende Autorin Kristín Marja Baldursdóttir das Leben einer tapferen Frau ihrer Heimat. "Die Farben der Insel" ist die Fortsetzung des Erfolgromans. Im Zentrum steht die Malerin Karitas, die in den fünfziger Jahren zurückgezogen in einem kleinen Dorf am Meer lebt. Bescheiden, aber autark, zumeist getrennt von ihren Kindern und ihrem Mann Sigmar.

"Die Farben der Insel", das fünfte in deutscher Sprache erschienene Buch von Kristín Marja Baldursdóttir, ist ein Werk, das den Leser in eine Szenerie entführt, die uns in ihrer Einfachheit fremd und zauberhaft erscheint. Die Landschaft und ihre Farben, das Miteinander der Frauen im Dorf schildert die Autorin in einer schlicht-poetischen Sprache. "Das Meer glitzerte in der Nachmittagssonne", schreibt sie, "die leichte Brise zerrte an unseren Haaren. Wir hatten unsere Kopftücher abgenommen, damit sie den Fischgeruch aus den Locken blasen konnte. Wir kamen zu viert aus dem Gefrierhaus und stapften in schweren Gummistiefeln und mit bespritzten Kitteln vorwärts, die Hände rot und kalt."

Die Zeit, sie rinnt davon, denn als Künstlerin hat Karitas noch nichts erreicht. Als Malerin ist sie kaum erfolgreich, zu düster scheinen ihre großformatigen Bildfindungen, niemand interessiert sich in ihrer Heimat dafür. Eine künstlerisch inspirierte Reise nach Paris, die sie gemeinsam mit ihrer Enkelin Silfá unternimmt, ändert das. Hier reüssiert sie mit ihren Bildern und wird erst Jahre später wieder in ihre Heimat zurückkehren. Das ganze Leben von Karitas erzählt dieses Buch, bis in das Jahr 1999.

In vielen Momenten findet die Autorin einen eigenen Ton. Dann gelingt es ihr, das so ungewöhnlich selbstbestimmte Leben der Hauptfigur auf gleichzeitig schlichte und packende Weise zu schildern. Doch oft erliegt Kristín Marja Baldursdóttir der eigenen Fabulierkunst - die bisweilen seltsame Blüten treibt.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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