Die elektrische Banane von Mary Beachow, 2008, EngstlerDie elektrische Banane, 2-fisted version.
Texte von Mary Beach (2008, Verlag Peter Engstler, mit einer Einleitung von William S. Burroughs, Übertragung Walter Hartmann und Gregor Pott)
Besprechung von Florian Vetsch aus der Wochenzeitung, Zürich, 7.8.2008:

Kunstlederhimmel

Schon mal «Electric Banana» reingeschoben? Die bricht radikal mit Erwartungshaltungen, eröffnet abwegige Assoziationsfelder, «a walk on the wild side» ist garantiert: «Wilde Schreie der Jungs, die sich in Madrid einen runterholen mit der Guardia Civil. / ‹Wie soll einer hier vögeln mit all den Kaugummifladen auf dem Bett? Bäh!› / Ein enormer, obszöner betrunkener Automat -Und robotische Meerjungfern kleistern ihre Träume auf einen Kunstlederhimmel - Ziemlich schwierig, hier zu furzen - wirklich nicht der Mühe wert.»

Texte solcher Intensität kennt man sonst aus der Hand von William S. Burroughs, der die Einleitung der «Elektrischen» verfasste. Doch wer ist diese Mary Beach, die in der neuen zweisprachigen Ausgabe neben der Carl Weissner gewidmeten «Electric Banana» auch die abgedrehten, queren Collagen und die Texte «The Gothic» und «No Eye No Cyclone» gemacht hat: «Wer nicht hinguckt? Sieht nichts. / Wo gehobelt wird? Fallen Späne.»

Mary Beach (1919-2006) war die Nichte der Buchhändlerin und ­Joyce-­­­Verlegerin Sylvia Beach, die Schwiegermutter des Beatpoeten Charles Plymell und die Gattin des französischen Experimentalautors Claude Pélieu; sie arbeitete als Übersetzerin, Künstlerin, Autorin, pendelte zwischen dem Chelsea Hotel, San Francisco und Paris. «The Electric Banana» schrieb sie in den Jahren 1966 bis 1969. Ein explosives ­Gemisch aus Tagebucheinträgen, Schundromanen, Prospekten, Comic Strips, Zeitschriften, Montagekunst pur und zudem, in Burroughs Worten, «ein Text, den man beim Lesen förmlich hören kann, denn er arbeitet mit akustischen Fundstücken der Alltagssprache - mit aufgeschnappten Gesprächsfetzen, dem Raunen bruchstückhaft wahrgenommener Verbotsschilder, überlagert vom ­Refrain eines Popsongs, der sich wie ein gigantischer Krake mit Myriaden von Tentakeln in Millionen Köpfen festgesetzt hat.»

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie in der WOZ]

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