Die Drachen von Montesecco von Bernhard Jaumann, 2006, AufbauDie Drachen von Montesecco.
Roman von Bernhard Jaumann (2006, Aufbau Verlag).
Besprechung von Gerd Fischer aus der NRZ vom 28.03.2007:

Hitchcock und Comedy in einem
Vorsicht, reinste Lesefreude: Bernhard Jaumanns irrwitziger "Drachen von Montesecco".

Wann schon genießt ein Leser in der Wirklichkeit jenes Klischee vom Buch, das er in einem Zug durchliest, sagen wir 278 Seiten in zwei Tagen? Mit Bernhard Jaumans neuem Krimi ist es uns so gegangen, ehrlich. "Die Drachen von Montesecco" heißt es und führt uns wieder in jenes winzige italienische Dörfchen, das schon einmal Schauplatz eines Buches von ihm war. Jeder einzelne Bewohner ist ein Original in diesem Nest, das der Bergwind kost und der Olivenduft streichelt, und das doch längst im ländlichen Niedergang angekommen ist: der vom Aufschwung durch Windräder träumende Bar-Besitzer Ivan Garzone, der alterslistige Spurensucher Gianmaria Curzio, die mütterlich-raffinierte Catia, die um das Leben ihres Sohnes willen das halbe Dorf an der Nase herum führt.

Oder wie?
Oder doch nicht?

Wir verraten nichts, aber so geht es los: Der 82jährige Benito Screggia stirbt friedlich (oder wie?) auf der Veranda, nachdem er - arm wie alle im Dorf (oder doch nicht?) - das verlassene Pfarrhaus prunkvoll neu möbliert und dort drei Tage lang ein Fest in Saus und Braus, mit Austern und Champagner, eingeflogener Musik und drei Edelnutten aus Rom gefeiert hat.

Und plötzlich sind, da er tot ist, Millionen Euro im Dorf, von denen aber strittig ist, wem sie zustehen. Jaumann inszeniert eine Burleske von Rang, und es ist meisterhaft, wie er plötzlich einen langen Schatten auf diesen dörflichen Schwank wirft, als nämlich ein kleiner Junge spurlos verschwindet. Nun werden Millionen Euro an Lösegeldforderungen das Dorf in ein großes Dilemma stürzen, denn das Geld ist ja da seit Screggias Tod (oder doch nicht?). Die Auflösung ist beeindruckend, der Weg dahin reine Lesefreude. Spannend und spaßig, Hitchcock und Comedy in einem, dazu warmherzige Menschenschilderung. Nein, mehr als zwei Tge sollte niemand brauchen (Urlaubstage natürlich). Allenfalls drei, so lang wie Screggias Orgie im verwaisten Pfarrhaus. (NRZ)

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

Leseprobe I Buchbestellung 0407 LYRIKwelt © Neue Ruhr/Rhein Zeitung