Die Diva in schwarz.
Gedichte von Hans Weßlowski (2005, Rimbaud).
Besprechung von Annette Gonserowski für für die Rezensionen-Welt, 10/2005:

Ich begegnete Hans Weßlowski vor vielen Jahren, als wir gemeinsam einem Autorenkreis angehörten.
Wir nahmen gemeinsam an den Tagungen teil, die in regelmäßigen Abständen stattfanden.

Damals zählte ich ihn zu den *jungen Wilden*. Mit starken Worten prangerte  er Mißstände an, wetterte gegen Krieg und Ungleichheit. Er war unbequem, hielt den Spiegel vor, scheute sich nicht klare Worte zu sprechen. Er erntete sowohl Beifall, als auch Mißverstehen, bekam erste Literaturpreise und auch völlige Ablehnung seiner Texte.

Er verließ den Autorenkreis. Aus meinem Blick schwand er nie, von Ferne verfolgte ich sein literarisches Schaffen. Auf ihn, dessen ständiges Bemühen der Sprache galt und gilt, wurde der Rimbaud-Verlag aufmerksam, bei dem er seine literarische Heimat fand. Es erschienen in der Folgezeit 5 Bücher. Ich las sie voller Interesse. Das Dunkel, das sich durch diese Bücher wie ein Faden zieht, erschütterte mich. Ich sah den Mensch hinter diesen Texten, in all seiner Zerrissenheit, Auflehnung, seiner Ohnmacht, seiner Wut, Enttäuschung, seinem Kampf um Gerechtigkeit, dem seine Worte Stimme gaben. Ich las die Gratwanderung heraus, auf die er sich begab, die den Abgrund so gefährlich nah brachte, das Abstürzen aus der Normalität heraus in das oft nur für uns Schreibende Wahrnehmbare, in den Wahn hinein. Ich fühlte mich seinen Worten nah.

Vor wenigen Wochen, sah ich ihn wieder, während einer Fahrt mit einem gemeinsamen Freund. Da erfuhr ich von dem Geschehenen der vergangenen Jahre und von diesem Buch, das nun vor mir liegt.

Dieses Buch ist anders, als alles, was er vorher schrieb. Hier wird der Revoluzzer zum Philosophen. Seine Texte sind geprägt von einer tiefen Erfahrung, von Liebe, Traurigkeit, ohne jedoch jemals in ein Klischee abzudriften. Die Form der Gedichte beeindruckt. Auf der stetigen Suche nach dem gültigen Wort, das keine andere Auslegung mehr möglich macht, verknappt sich seine Sprache. Dieser Minimalismus, dieses Darüber hinaus denken, bringt ihn in die Nähe Ernst Meisters, der ihm Vorbild ist, dessen Seelenverwandtschaft er fühlt und mit dem er die reale Heimat, die Stadt Hagen in Westfalen, teilt. Dieses Buch ist ein sanftes, stilles, berührendes Buch. Es erzählt die Begegnung zu einer Frau, die vom damaligen Regime unseres ehemals geteilten Landes auserkoren war, als Prostituierte Besucher auszuspionieren. Er schreibt: "Es war die Zeit der schrecklichen Feten!/ Als sie Welthure werden sollte!" Er liebte sie, er kämpfte dagegen an. Dieses spiegeln die Texte, bei denen kein Wort zuviel geschrieben wurde. "Genau zu erkennen, was damals war/ und danach zu handeln - das Richtige tun..."

Seine Texte sind Ahnung des Geschehens, machen es nicht leicht, ihm zu folgen. Obwohl an einer realen Begebenheit orientiert, erheben sich seine Texte ins Transzendente, Metaphysische. Mit diesem Buch verläßt er den sicheren Boden, betrachtet das Ungreifbare, Unsichtbare, hinterfragt es.

Es ist kein entspannendes Buch, es verlangt die völlige Aufmerksamkeit. Aber es gibt ebensoviel zurück: es macht nachdenklich und schwingt in seiner Sanftheit und auch Bedrückung lange nach.

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